Die  Lehrerbildungsanstalten.  265

sprach:  „Dice  deutsche  Volksschullehrerschaft  sieht  im  Religionsunterricht
  das  vorzüglichste  Mittel,  um  auf  Herz  und  Gemüt  des
Kindes  einzuwirken.  Gerade  die  Religionsstunde  ist,  recht  gegeben,
eine  Weihestunde,  und  Sie  werden  vielleicht  oft  auch  schon  diesen
unauslöschlichen  Eindruck  bekommen  haben  von  der  Religionsstunde,
die  Sie  gegeben,  wo  Sie  körperlich  und  geistig  Ihren  Kindern  näher
gerückt  sind,  wo  kein  Fremder  dabei  war,  wo  Sie  vielleicht  nicht
nach  den  Regeln  der  Katechetik  unterrichtet  haben,  aber  das  Herz
überquoll  zum  Herzen.  Solche  Stunden  müssen  wir  haben  in  der
Volksschule,  wenn  sie  etwas  leisten  soll,  und  wir  reklamieren  solche
\Weihestunden  für  uns“.

Soll  der  Volksschullehrer  Religionslehrer  sein,  so  muß  er  auf
dem  Seminar  eine  religiöse  Bildung  erhalten.  Das  geschieht  aber
nicht  allein  durch  den  Unterricht,  sondern  durch  den  ganzen  Geist
der  im  Seminar  weht.  Der  künftige  Lehrer  soll  nicht  allein  zum
Religionslehrer  als  überhaupt  zu  einer  christlichen  Persönlichkeit  erzogen
  werden.  In  jedem  Unterrichtsfache  ist  Voraussetzung  und
kommt  es  auch  mehr  oder  minder  zur  Geltung,  daß  das  Christentum
die  Grundlage  im  Leben  des  einzelnen  wie  des  gesamten  Volkes  und
jeder  Kultur  ist.  Die  gemeinsamen  Morgen-  und  Abendandachten,
der  gemeinsame  Kirchgang  am  Sonntag,  und  vielerorts  ein  gemeinsamer
  Abendmahlsgang  vor  der  Abschlußprüfung  fördern  die  religiöse
Erziehung  des  Seminars.  Viel  trägt  dazu  auch  die  Musik  bei.  Die
meisten  Seminaristen  nehmen  am  ÖOrgelunterricht  teil  und  werden  so
in  die  kirchliche  Musik  und  in  die  Gedanken  der  Großmeister  auf
diesem  Gebiet,  eines  Johann  Krüger,  eines  Sebastian  Bach,  eines
Friedrich  Händel  eingeführt.  Der  Gesangunterricht  lehrt  die  trutzig
und  wuchtig  dahinschreitenden  Tonfolgen  des  Chorals  und  die  selbst
starre  Herzen  umfangenden  und  überwindenden  Töne  des  geistlichen
Volksliedes.  Es  ist  dem  Christen  offenbart:  »Wir  haben  keine
bleibende  Stadt  sondern  die  zukünftige  suchen  wir.«  Darum  soll
die  Schule  wie  es  schon  Comenius  lehrte,  als  trübe  Tage  über  Deutschland
  hereinbrachen,  auf  die  himmlische  Heimat  vorbereiten,  darum
gibt  es  eine  religiöse  Erziehung.

Aber  nicht  allein  für  die  himmlische,  auch  für  die  irdische
Heimat  wird  der  Seminarist  erzogen.  Vor  100  und  mehr  Jahren  begeisterten
  sich  die  Gebildeten  für  den  Gedanken  des  Weltbürgertums.
Und  daß  dies  gleichfalls  in  Deutschland  geschah,  ist  nur  zu  erklärlich,
—  es  gab  kein  deutsches  Vaterland.  Die  geistige  Einheit  schufen
erst  wieder  die  deutschen  Dichter  mit  Klopstock  beginnend,  —  die