Die  Lehrerbildungsanstalten.  271

wohl  noch  ein  gesonderter  Kunstunterricht  fehlt,  als  eine  anregende
und  aussichtsreiche  erscheinen.

Ein  gesunder  Geist  wohnt  aber  nur  in  einem  gesunden  Körper.
So  pflegt  denn  das  Seminar  in  umfangreicher  Weise  das  Turnen.
Dazu  kommt  der  Betrieb  der  Turn-  und  Ballspiele;  wo  es  die  Verhältnisse
  irgend  erlauben,  wird  Schwimmunterricht  erteilt  —  und  an
heiteren  Tagen  geht  es  mit  Gesang  durch  Wald  und  Flur  zur  Turnund
  Wanderfahrt!  All  das  fördert  die  körperliche  Ausbildung  des
Präparanden  und  Seminaristen  und  hält  das  Gleichgewicht  gegen  die
zum  Teil  außerordentlichen  geistigen  Anstrengungen.  Fördernd  tritt
hier  noch  die  Beschäftigung  mit  der  Landwirtschaft  ein,  wenngleich
ihr  nur  recht  wenig  Zeit  gewidmet  werden  kann.

‚Diese  Allgemeinbildung  will  den  Seminaristen  nicht  bloß  als
Menschen  erziehen,  sondern  ihn  auch  speziell  für  seinen  Beruf  ausbilden.
  Eine  Zeitlang  meinte  man,  einzelne  Kreise  glauben  es  auch
heute,  der  Volksschullehrer  brauche  nicht  viel  mehr  zu  wissen  als  die
von  ihm  zu  unterrichtenden  Kinder,  —  Pestalozzi  erklärte  sogar  noch,
der  Lehrer  müsse  stets  eine  Seite  weiter  im  Buche  sein  als  seine
Zöglinge!  Die  erhöhte  Bildung  des  Lehrers  wurde  für  eine  direkte
Schädigung  der  Volkserziehung  angesehen,  weil  man  meinte,  er
werde  dadurch  dem  Volke,  insbesondere  der  Landbevölkerung,  entfremdet.
  Wenn  es  nur  darauf  ankäme,  den  Kindern  einiges  Wissen
„ein  bißchen  ABC  und  Rechnen“  wie  man  wohl  manchmal  hört,  beizubringen,
  so  wären  gewiß  nicht  so  viele  Kenntnisse  des  Lchrers
nötig.  So  aber  soll  er  zugleich  ein  Erzieher  sein,  er  soll  nicht  nur
einige  wenige  Kinder,  sondern  oft  stark  gefüllte  Klassen  unterrichten,
jeder  seiner  Zöglinge  soll  möglichst  das  der  Volksschule  gesteckte
Ziel  erreichen.  Die  Erfahrung  lehrt,  daß  dazu  eine  ganz  andere  Ausbildung
  nötig  ist,  als  teilweise  erforderlich  erachtet  wird.  Sie  zeigt
weiter,  daß  die  steigende  Bildung  auch  die  Höhe  der  Kultur  eines
Volkes  bedingt,  daß  für  den  Wettbewerb  auf  dem  Weltmarkt  die
überlegene  Bildung  den  Erfolg  davon  trägt.  Die  Schule  und  mit  ihr
der  Staat  hat  somit  das  größte  Interesse,  möglichst  gut  vorbereitete
Lehrer  zu  erhalten.  Nicht  der  gebildete,  der  halbgebildete  Lehrer
hat  kein  Verständnis  für  das  Volk  und  seine  Interessen.

Darum  ist  eine  umfassende  Allgemeinbildung  für  den  Beruf  des
Lehrers  nötig,  sie  ist  aber  auch  nötig,  damit  der  Stand  des  Volksschullehrers
  das  nötige  Ansehen  genieße.  Unverstand  und  böser
Wille  hat  ihnen  lange  die  Anerkennung  versagt,  welche  ihr  schweres
Amt  fordert.  Die  früheren  Zeiten,  wo  Handwerker  zur  Aufbesserung