272  Die  Volksschullehrerbildung.

ihrer  kümmerlichen  Nahrung  die  Stellung  eines  „Schulmeisters‘“  nebenbei
  bekleideten,  die  Jahre,  in  denen  man  nach  den  Stürmen  von  1848
die  Lehrerbildung  auf  das  einschneidendste  verringerte,  waren  geeignet,
  ein  verächtliches  Herabsehen  und  eine  Geringschätzung  des
Volksschullehrerstandes  hervorzurufen.  Sein  rastloses  Vorwärtsstreben
seit  den  60  er  Jahren,  die  gewaltige  Bewegung,  die  seit  etwa  10  bis
12  Jahren  darnach  strebt,  durch  eine  ausgezeichnete  Bildung  sich  die
Achtung  zu  erwerben,  die  sonst  den  Gebildeten  gezollt  wird,  haben
darin  schon  einen  großen  Umschwung  hervorgerufen.  Auch  äußerlich
  fand  die  gesteigerte  Lehrerbildung  ihre  Anerkennung,  indem
das  Abgangszeugnis  seit  1896  zum  Einjährig-freiwilligen  Heeresdienst
berechtigt.

c)  Die  Berufsausbildung.

Die  Erziehung  zum  Lehrer  vollendet  sich  erst  in  der  Berufsausbildung.
  Die  erziehende  und  lehrende  Tätigkeit  seines  Amtes
lernt  der  Seminarist  theoretisch  in  der  Pädagogik  und  Methodik,
praktisch  in  der  Übungsschule  kennen.  Hierdurch  wird  er  zum
Lehrer  erzogen,  der  sich  bewußt  bleiben  muß,  so  umfassend  auch
seine  Allgemeinbildung  ist,  daß  sie  der  Volksbildung  dienen  soll,
nicht  in  den  engen  Grenzen  der  Unterrichtsstunde  allein,  sondern
weit  darüber  hinaus  im  Hause,  in  der  Gemeinde,  im  Staat.  Er  darf
aber  nicht  vergessen,  daß  der  Volksschule  bestimmte  Richtlinien  geseben
  sind,  er  hat  sein  Wissen  und  seine  Bildung  in  die  rechten,
dem  Volke  verständlichen  Formen  umzugießen.  Diese  Befähigung
hat  ihm  die  Berufsausbildung  auf  dem  Seminar  zu  geben.

IV.  Der  Unterrichtsstoff.
I.  Allgemeines.

Wiederholt  wurde  betont:  Präparandenanstalt  und  Seminar  bilden
ein  Ganzes.  Vielfach  ist  gefordert  worden,  daß  der  Seminarist  seine
Vorbildung  nicht  auf  der  Präparandenanstalt,  sondern  auf  einer  Schule
genießen  soll,  die  eine  Allgemein-  aber  noch  keine  Fachbildung  gibt.
Am  geeignetsten  sei  die  Realschule.  Der  Gedanke  hat  manches  für
sich:  die  Entscheidung  zum  Lehrerberuf  erfolgt  nicht  bereits  mit  14
oder  15,  sondern  erst  mit  17  oder  18  Jahren,  mancher  junge  Mann
kann  dann  viel  besser  seine  körperliche  und  geistige  Befähigung  zur
Erreichung  des  Zieles  erkennen.  Weiter  darf  der  Vorteil  nicht  zu
gering  veranschlagt  werden,  solche  Elemente  zu  erhalten,  welche  eine