Die  L,ehrerbildungsanstalten.  275

hier  und  da  Angriffe.  Man  hat  z.  B.  den  Lehrgang  als  dem  Charakter
einzelner  Unterrichtsfächer  und  dem  eigentümlichen  methodischen
Aufbau  derselben  nicht  entsprechend  bezeichnet.  Diese  Forderung
ist  für  die  Schule,  auch  noch  für  die  Präparandenanstalt  berechtigt,
bei  der  sie  übrigens  durchaus  Berücksichtigung  fand;  für  das  Seminar
würde  sie  aber  nicht  mehr  zutreffend  sein.  Bei  dem  Lebensalter  der
Seminaristen,  die  bald  in  den  praktischen  Beruf  treten  wollen,  bei
den  Forderungen  der  Gegenwart  nach  einer  erhöhten  Bildung  hat  die
Unterrichtsverwaltung  sich  bei  Aufstellung  der  Lehrpläne  in  den
verschiedenen  Fächern  von  den  einzelnen  Wissenschaften,  wie  sie  sich
gegenwärtig  gestalten,  leiten  lassen.  Das  Anlehnen  an  die  Wissenschaft
kommt  auch  darin  zum  Ausdruck,  daf  auf  möglichst  umfangreiche
Benutzung  der  Quellen  gedrungen  und  die  Mitteilung  der  für  die
Weiterbildung  in  den  einzelnen  Fächern  empfehlenswerten  Literatur
geboten  wird.

Zum  Schluß  sei  noch  betont,  daß  die  Lehrpläne  durchaus  dem
Leben  der  Gegenwart  angepaßt,  aktuell  sind,  wie  man  wohl  manchmal
sich  ausdrückt.  Denn  stets  ist  großer  Nachdruck  auf  den  gegenwärtigen
  Zustand  der  Kultur  und  auf  das  Ineinandergreifen  der  ceinzelnen
  Fächer  und  den  Zusammenhang  untereinander  gelegt.

2.  Die  wissenschaftlichen  Fächer.
a)  Die  Geisteswissenschaflen,

1.  Pädagogik.  An  der  Spitze  der  für  den  künftigen  Lehrer
nötigen  Geisteswissenschaften  steht  die  Pädagogik.  Bisher  geschah
die  Einführung  in  sie  auf  geschichtlichkem  Wege.  Jetzt  wird  die
Psychologie  als  Grundlage  der  pädagogischen  Unterweisung  an  den
Anfang  gestellt.  Es  ist  naturgemäß,  daß  der  künftige  Lehrer  das
Material,  auf  das  er  einwirken  soll,  erst  einmal  kennen  lernen  muß.
Jahrzehntelang  vernachlässigte  die  Pädagogik,  wie  übrigens  auch  andere
Wissenschaften,  die  Psychologie.  Mit  praktischen  Unterrichts-  und
Erziehungsregeln,  mit  einer  mehr  oder  minder  auf  dem  Zufall  becruhenden
  empirischen  Kenntnis  der  Kinderseele  ist  wenig  zu  erreichen.
  Erst  die  eingehende  theoretische  Vertiefung  in  die  Vorgänge
  und  Zusammenhänge  des  Seelenlebens  ermöglicht  die  fur
Unterricht  und  Erziehung  nötigen  Richtlinien  zu  geben  und  in  das
Verständnis  der  Kinderseele  und  ihrer  Behandlung  cinzudringen.
Allerdings  liegst  die  Gefahr  vor,  daß  sich  die  Psychologie  von  der
Praxis  leicht  zu  weit  entfernt.  Das  Seminar  darf  auch  seine  Aufgabe

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