Die  Lehrerbildungsanstalten.  2717

nicht  bloß  lebensvolle  Bilder  der  bedeutungsvollsten  Persönlichkeiten,  sondern  ihre  Hauptwerke
  werden  ganz  oder  in  den  wichtigsten  Abschnitten  —  teilweise  unter  Zuhilfenahme
der  Privatlektüre  —  gelesen  und  erklärt.  Die  Auswahl  ist  so  zu  treflen,  daß  die  pädagogische
  Bedeutung  der  Persönlichkeit  klar  vor  Augen  steht,  daß  aber  auch  hervortritt,
was  für  die  (iestaltung  des  Schulwesens  von  Einfluß  war  und  jetzt  noch  nachwirkt  und
heute  noch  nachahmenswert  bleibt.  Zur  eingehenden  Behandlung  kommt  das  Schulwesen
in  den  letzten  vier  Jahrhunderten,  nur  im  Überblick  dagegen  unter  Hervorhebung  des
Hauptsächlichsten,  die  Zeit  vor  der  Reformation.  Aber  die  Beziehungen  der  Pädagogik
zur  Kultur  der  Vergangenheit  und  Gegenwart  dürfen,  gemäß  den  Vorschriften,  nie  vergessen
  werden.  (serade  das  Suchen  der  Wechselwirkung  zwischen  Erziehung  und  Unterricht
  zu  dem  Geistesleben  der  verschiedenen  Zeiten  vermag  über  die  wahre  Bedeutung
der  Pädagogik,  die  keine  Sonderentwicklung,  vielmehr  ein  Teil  des  Geistesiebens  der
Nationen  ist,  aufzuklären.  Die  Geschichte  der  Pädagogik  —  spezielle  Rücksicht  erfährt
dabei  die  Volksschule  —  ist  bis  zur  (segenwart  durchzuführen  und  mit  der  gegenwärtigen
Kultur  in  Verbindung  zu  setzen.  Dadurch  soll  auch  im  künftigen  Lehrer  das  Verständnis
und  das  Interesse  für  die  pädagogischen  Bestrebungen  und  Aufgaben  der  Gegenwart  hinreichend
  geweckt  werden,  damit  er  später  mit  Erfolg  auf  diesem  (Gebiete  weiter
studieren  kann.

Ihren  Abschluß  findet  die  Geschichte  der  Pädagogik  durch  die
Schulkunde,  welche  die  jetzigen  Schulsinrichtungen,  die  Schulverwaltung,
  die  behördlichen  Verordnungen  und  die  Anforderungen
der  Schulgesundheitspflege  bespricht.  Letzterer  Zweig  der  Erziehungswissenschaft
  ist  .sehr  wichtig.  Was  nützen  alle  theoretischen
Forderungen  auf  diesem  Gebiete,  wenn  sie  nicht  verwirklicht  werden;
gerade  der  Lehrer  auf  dem  Lande  muß  hier  gut  orientiert  sein,  durch
energisches  und  aufmerksames  Eingreifen  vermag  er  Epidemien  vorzubeugen
  und  beizutragen,  entstehende  zu  beschränken.  Gerade  das
Vorbild  des  Schulhauses  in  bezug  auf  Sauberkeit,  Licht  und  Luft  kann
vorbildlich  auf  die  Landbevölkerung  wirken.

2.  Evangelische  Religion.  Für  den  Religionsunterricht,  sowohl
  für  den  evangelischen  wie  den  katholischen,  sind  in  der  3.  und
2.  Klasse  der  Präparandenanstalt  je  vier,  in  der  1.  (obersten)  dagegen
drei  wöchentliche  Stunden  festgesetzt,  im  Seminar  je  drei  für  jede
Klasse.  In  der  2.  Klasse  tritt  noch  eine  Stunde  zur  Abhaltung  von
Religionslektionen  in  der  Übungsschule  hinzu,  während  in  der  1.  Klasse
eine  Stunde  der  theoretischen  Religionsmethodik  vorbehalten  ist.

Als  Ziel  des  evangelischen  Religionsunterrichts  ist  bestimmt:  Vertrautheit  mit  der
biblischen  Geschichte,  sicheres  Verständnis  des  Katechismus,  Kenntnis  des  Wichtigsten
aus  der  evangelischen  Kirchenlieddichtung,  Einsicht  in  die  (reschichte  der  Gründung  und
in  die  Haupttatsachen  der  äußeren  Entwicklung  der  Kirche.

Die  Religion,  die  wichtigste  Angelegenheit  des  Menschen,  fordert  wie  kein  Fach
auf  die  Quelle,  hier  die  Bibel,  zurückzugehen.  Die  Volksschule  vermag  sich  ihr  wegen
des  noch  zu  geringen  Verständnisses  der  Kinder  nicht  direkt,  sondern  nur  auf  Hilfswegen
oder  um  ein  Wort  Luthers  hierauf  anzuwenden,  durch  „Flüßlein,  die  zum  Brunnen  leiten“,
zu  nähern,  nämlich  durch  biblische  Geschichte,  Katechismus  und  Kirchenlied;  erst  der
Oberstufe  kann  die  Bibel  in  die  Hand  gegeben  werden.  lie  Präparandenanstalt  geht