218  Die  Volksschullehrerbildung.

schon  ganz  anders  auf  sie  zurück.  Die  wichtigsten  Geschichten  des  Alten  Testaments
werden  in  der  Bibel  gelesen,  «das  leben  Jesu  schließt  sich  an  eins  der  Evangelien  unter
Ergänzung  aus  den  andern  an,  während  als  Quelle  des  apostolischen  Zeitalters  die
Apostelgeschichte  gelesen  wird.  las  Seminar  arbeitet  sodann,  von  der  Kirchengeschichte
abgesehen,  völlig  nach  der  (Juelle,  der  Bibel.  Dies  geschieht  auch  bei  der  (slaubensund
  Sittenlehre,  die  sich  in  ihrer  äußeren  Ordnung  an  die  drei  Glaubensartikel  des
Lutherischen  Katechismus  anschließt.

Auf  der  Präparandenanstalt  hat  der  biblische  (seschichtsunterricht  eine  Übersicht
über  die  Entwicklung  der  heiligen  (seschichte,  Einblick  in  den  inneren  Zusammenhang
der  Ereignisse,  Erkenntnis  der  Figenart  und  heilsgeschichtlichen  Bedeutung  der  einzelnen
Zeitabschnitte  und  der  wichtigsten  Personen,  Verständnis  der  in  den  biblischen  (ieschichten
  enthaltenen  religiös-sittlichen  Wahrheiten  zu  vermitteln.  Die  wichtigsten  (ieschichten
  sind  eingehend  durchzunehmen  und  ist  ein  genaues  Verständnis  derselben  hinsichtlich
  der  Worte  und  des  Sachinhalts,  wie  hinsichtlich  der  religiös-sittlichen  Hauptgedanken
  herbeizuführen.  Die  biblische  Geschichte  des  Alten  Testamentes  wird  in  der
3.  Klasse,  die  des  Neuen  Testaments  unter  Einschluß  des  I.ebens  Jesu  in  der  2.  Klasse
behandelt.  Die  Prüparanden  sind  zudem  mit  dem  Schauplatz  der  heiligen  Geschichte,
sowie  mit  den  geschichtlichen  Verhältnissen  Palästinas  und  der  angrenzenden  länder
bekannt  zu  machen.  Für  die  1.  Klasse  ist  das  Lesen  der  Apostelgeschichte  vorgesehen.
An  sie  schließen  sich  einige  Bilder  aus  der  Apostelgeschichte  an.  Dabei  liegt  der  Nachdruck
  darauf,  die  äußere  Entwicklung  der  christlichen  Kirche  in  den  llauptzügen  zu  vermitteln.
  Man  hat  getadelt,  daß  die  Kirchengeschichte  zweimal  eine  Stätte  an  den  l.chrerbildungsanstalten
  findet;  es  wäre  dies  eine  unnütze  Zerreißung  des  Stofles  und  bei  «dem
Grundsatze,  daß  Präparandenanstalt  und  Seminar  ein  organisches  Ganze  bilden,  ein  Neuaufnehmen
  des  durch  ihn  im  Seminarunterricht  mit  Fug  und  Recht  abgeschaflten  Arbeitens
in  konzentrischen  Kreisen.  Dem  ist  entgegenzuhalten,  daß  das  Seminar  in  gewissem
Sinne  doch  in  konzentrischen  Kreisen  arbeitet,  indem  es  in  allen  Fächern,  von  der
Pädagogik  abgesehen,  sich  auf  dem  Wissen  der  Volksschule  aufbaut  und  dieses,  allerdings
ganz  wesentlich,  erweitert.  Soll  der  Seminarist  wirklich  einen  Einblick  in  die  innere
Entwicklung  der  christlichen  Kirche  erhalten,  soll  er  ihre  Gieschichte  als  den  Siegeslau,
des  Christentums  erkennen,  dann  muß  er  in  der  klauptsache  mit  den  äußeren  Ereignissen
der  Kirchengeschichte  vertraut  sein,  aber  das  wenige,  was  die  Oberstufe  der  Volksschule
gibt,  dürfte  dazu  nicht  ausreichen.

Auch  einen  Teil  der  inneren  Kirchengeschichte  behandelt  die  Präparandenanstalt,
nämlich  die  Geschichte  des  evangelischen  Kirchenliedes.  Fast  scheint  es,  als  habe  die
Gegenwart  ein  weit  geringeres  Verständnis  für  das  (iesangbuch  als  frühere  Zeiten:
Kirchenpolitische  und  wissenschaftlich-theologische  Fragen  sowie  die  innere  Mission
stehen  im  Vordergrund,  und  in  der  Religionsmethodik  hat  sich  das  Interesse  auf  die
Person  Jesu  Christi  konzentriert.  Auch  verursachte  das  früher  recht  beliebte  Herunterplappern
  der  Dichterbiographien  eine  (seringschätzung  der  Gieschichte  des  Kirchenliedes.
Das  Kirchenlied  ist  cin  Teil  der  (seistesgeschichte  der  Kirche,  ja  es  ist  vielfach  das
Gzeistesleben  der  evangelischen  Gremeinde.  Hin  Trostbuch  bietet  es,  wie  kein  zweites
menschliches  Buch;  hier  haben  die  großen  Heilstatsachen  der  Bibel  in  den  Irrsalen  und
Leiden  dieses  l.ebens  eine  Form  gefunden,  hier  haben  sie  sich  bei  den  Gläubigen  bewährt.
  Der  Autoritätsbeweis  spielt  im  Menschenleben  eine  große  Rolle:  Kirchenlied  und
(sesangbuch  sind  der  Erfahrungsbeweis  früherer  Generationen  von  der  Wahrheit  und  der
einzigartigen  Kraft  der  christlichen  Religion.  Darum  verdient  das  Gesangbuch  höher
reschätzt  zu  werden  als  es  in  der  Gemeinde  und  im  Unterricht  der  Fall  ist.  Die  I.chrpläne
  kommen  dem  entgegen,  wenn  sie  die  Geschichte  des  Kirchenliedes  zu  einer  L.iederkunde
  ausgestalten.  Nicht  nur  eine  Reihe  von  Kirchenliedern  sowie  von  Psalmen,  —
man  hat  den  Psalter  das  Gesangbuch  des  Alten  Bundes  genannt  —  ,  stehen  zur  Behandlung,
auch  sind  den  J.ebensbildern  der  namhaftesten  L.iiederdichter  ihre  bedeutendsten  Zeit-