Die  Lehrerbildungsanstalten.  281

zu  geben.  Ausdrücklich  fordern  die  Lehrpläne  charaktervolle  Persönlichkeiten
  heranzubilden,  welche  befähigt  sind,  als  Lehrer  und  Vorbilder
  segensreich  auf  die  Jugend  einzuwirken.  Das  ist  die  schwerste
Aufgabe  für  den  Religionslehrer  am  Seminar,  hierfür  lassen  sich  keine

bestimmten  Regeln  aufstellen,  seine  Persönlichkeit  wird  das  meiste
dazu  tun  müssen!

3.  Katholische  Religion.  AlsZiel  des  katholischen  Religionsunterrichts
  wird  bezeichnet:

Die  Schüler  sind  zu  einer  gründlichen  Kenntnis  der  katholischen  Glaubens-,  Sittenund
  Gnadenlehre,  wie  sie  im  Katechismus  niedergelegt  ist,  zu  genauer  Bekanntschaft  mit
der  biblischen  (seschichte  und  den  wichtigsten  Personen  und  Begebenheiten  der  Kirchengeschichte,
  zur  Vertrautheit  mit  dem  Kirchenjahre,  den  gottesdienstlichen  Gebräuchen,
Gresängen  und  Gebeten  zu  führen.  Die  biblische  Geschichte  des  Alten  und  Neuen
Testaments  wird  in  der  Präparandenanstalt  unter  Herausarbeitung  der  in  ihnen  enthaltenen
(zlaubenswahrheiten  und  der  heilsgeschichtlichen  Entwicklung  vollständig  behandelt  ;  auch
die  biblische  (seographie  wird  erledigt.  Ebenso  erfolgt  vollständig  die  Behandlung  des
Katechismus  unter  Heranziehung  der  biblischen  Geschichte,  der  Heiligenlegende,  des
Kirchenliedes  und  der  gottesdienstlichen  Übungen.  Die  Schriftstellen  sind  zum  Verständnis
  zu  bringen,  und  ihre  Beweiskraft  ist  klarzulegen.  Ferner  erfolgt  die  Einführung
in  den  inneren  Zusammenhang  der  Hauptfeste  des  Kirchenjahres  und  in  das  praktischkirchliche
  Leben  durch  das  Lesen  und  Erklüren  der  Sonntags-  und  Festevangelien  und
die  Erklärung  des  Kirchenjahres.  Ebenso  werden  eine  Reihe  von  Kirchenliedern  und
Hymnen  gelernt,  sowie  die  für  den  katholischen  Christen  aus  religiöser  Pflicht  in  Kirche,
Schule  und  Haus  gebotenen  (sebete.  Außerdem  ist  eine  Reihe  von  Lebensbildern  hervorragender
  Heiligen,  vor  allem  von  den  Diözesan-  und  Schutzheiligen  zu  geben.

Das  Seminar  vertieft  den  biblischen  Geschichtsunterricht  in  Verbindung  mit  der
Bibelkunde  und  biblischen  Geographie  und  gibt  die  Glaubens-,  Sitten-  und  Gnadenlehre
in  erweiterter  Form  und  größerer  Vertiefung.  Die  Liturgik  wird  im  Zusammenhang  erörtert
  und  die  Kirchengeschichte  bis  zur  Gegenwart  behandelt.

4.  Deutsch.  Gegen  die  höheren  Lehranstalten  wird  oft  der
Vorwurf  erhoben,  sie  vernachlässigten  den  deutschen  Unterricht  zu
Gunsten  der  Fremdsprachen.  Für  das  Seminar  trifft  dies  nicht  zu.
Er  steht  als  der  nationalste  Bildungsstoff  nach  Stundenzahl  und  nach
Pensum  im  Mittelpunkte  des  Unterrichts,  wie  es  sich  für  eine  Lehrerbildungsanstalt
  eigentlich  von  selbst  versteht.  In  den  Klassen,  der
Präparandenanstalt  und  in  der  3.  und  2.  Klasse  des  Seminars  werden
je  fünf,  in  der  1.  Seminarklasse  drei  Stunden  wöchentlich  erteilt.  Je
eine  Stunde  ist  in  der  2.  Klasse  für  das  praktische  Unterrichten  in
der  Übungsschule,  in  der  1.  Klasse  für  die  Methodik  vorbehalten.

Als  Ziel  des  Unterrichts  wird  bezeichnet:  Fertigkeit  im  richtigen  mündlichen  und
schriftlichen  Gebrauche  der  Muttersprache,  Bekanntschaft  mit  den  wichtigeren  Abschnitten
der  Muttersprache,  sowie  unserer  Literaturgeschichte  im  Anschluß  an  die  Lektüre,  Belebung
  des  vaterländischen  Sinnes  durch  Einführung  in  Meisterwerke  unserer  Literatur.
Der  Unterricht  gliedert  sich  demgemäß  in  Bekanntschaft  mit  der  Literatur  und  der  Sprache.

Bei  der  Literatur  stehen  die  Quellen  im  Vordergrunde  und  die  Literaturbetrachtung
  macht  das  Wesen  dieses  Unterrichtszweiges  aus,  sowohl  in  der  Poesie  wie  in