984  Die  Volksschullehrerbildung.

ihren  Bau  Notwendige.  In  der  Präparandenanstalt  gibt  die  3.  Klasse  die  Satzlehre  mit
Ausnahme  des  zusammengesetzten  Satzes,  die  2.  bespricht  diesen  und  die  Wortlehre,  die
1.  behandelt  die  Wortbildung,  befestigt  und  schließt  die  Elementargrammatik  ab.  Das
Seminar  führt  die  Sprachlehre  weiter,  indem  es  in  der  3.  Klasse  die  Phonetik  und  die
deutschen  Mundarten,  in  der  2.  die  geschichtliche  innere  und  äußere  Entwicklung  der
Sprache  im  allgemeinen,  im  besonderen  hinsichtlich  der  Veränderung  der  laute  und
Formen  als  auch  des  Wandels  der  Wortbedeutung  verfolgt.

Die  Phonetik  bezweckt,  die  Erkenntnis  einer  lautrichtigen  und  lautschönen  Aursprache
  des  Hochdeutschen  herbeizuführen.  Hierbei  soll  auch  die  Beseitigung  der  in  einzelnen
  Landesteilen  besonders  häufig  vorkommenden  sprachlichen  Fehler  angestrebt
werden.  Sowohl  hierdurch  als  auch  vermittels  ausdrucksvollen  Lesens  durch  Vortrag  des
besprochenen  Stofles,  durch  Stellen  von  Aufgaben  über  ihn  ist  die  Übung  und  Gsewandtheit
  im  mündlichen  Ausdruck  zu  fördern;  hierzu  sollen  aber  außer  dem  Deutschen  alle
Fächer  beitragen.  Im  Seminar,  vor  allem  in  der  Oberklasse,  werden  freie  Vorträge  über
Gelesenes  und  über  besonders  gestellte  Aufgaben  auch  aus  anderen  Gebieten  gehalten.
Dies  bedeutet  ebenfalls  eine  gute  Übung  für  den  mündlichen  Ausdruck,  zudem  veranlaßt
es  ihn  zum  freien,  vom  Tagespensum  unabhängigen  Arbeiten.  Hiermit  kommt  die  früher
viel  getriebene  jetzt  indes  über  Gebühr  vernachlässigte  Khetorik  zu  einigem  Recht.

Ihre  notwendige  Ergänzung  finden  die  mündlichen  Übungen  im  Gebrauch  der
Sprache  an  den  schriftlichen.  Außer  Aufsätzen  auf  allen  Stufen  der  Lehrerbildungsanstalten
werden  in  den  beiden  unteren  Klassen  der  Präparandenanstalt  freie  Niederschriften  von
Durchgenommenen,  Erlebten  u.  dgl.  angefertigt.  Der  Nachdruck  liegt  auf  sachlicher  und
sprachlicher  Richtigkeit  und  klarer  übersichtlicher  Gedankenfolge..  Alle  Künstelei  und
alles  Phrasenhafte  ist  verbannt,  gediegene  Einfachheit  energisch  gefordert.  Die  Auigaben
steigern  sich  allmählich  bezüglich  der  Schwierigkeit.  In  der  Präparandenanstalt  sind  —
soweit  möglich  nach  Vorlagen  —  Erzählungen,  Beschreibungen,  Schilderungen,  Vergleichungen
  und  dgl.  anzufertigen.  Dem  Seminar  fallen  dann  im  Anschluß  an  die  Lektüre
schwierigere  Inhaltsangaben,  weiter  Charakteristiken  und  Beweisführungen  zu.

Die  Aufgaben  sollen  dem  Stofl  des  deutschen  Unterrichts  oder  anderen  Fächern
entnommen  werden.  Themen  aus  der  Literatur  dürften  den  Vorzug  finden.  Solche  aus
Geschichte,  Erd-  und  Naturkunde  erfordern  in  ihrer  Formulierung  viel  Vorsicht,  da  leicht
solch  ein  Aufsatz  zu  einer  aus  allen  möglichen  Büchern  zusammengetragenen  Stofianhäufung
  führt,  der  die  nötige  geistige  Verarbeitung  fehlt;  gerade  bei  diesen  Gebieten  Int
die  Möglichkeit  der  Beweisarbeit,  welche  den  Zögling  zum  Nachdenken  zwingt,  an  eriter
Stelle  anzustreben.  Die  Bearbeitung  sog.  freier  Themen,  die  ein  Sprichwort,  eine  Sentenz
oder  eine  Frage  der  Lebensweisheit  erörtern,  bleibt  nicht  ausgeschlossen.  Für  die  Oberklasse
  des  Seminars  sind  zudem  einige  Aufgaben  pädagogischen  Inhalts  zu  stellen.  Es
gilt  zu  erwägen,  ob  sich  nicht  als  vorteilhaft  erweist,  derartige  Aufsätze  dem  pädagogischen
Unterricht  zuzuweisen,  da  sonst  naturgemäß  die  literarischen  Themen  in  der  1.  Klasse
zurückgedrängt  werden.  Die  I,chrpläne  geben  eine  Handhabe  dafür,  wenn  sie  empfehlen,
auch  im  Seminar  in  den  einzelnen  Fächern  kurze  Niederschriften  des  Behandelten  anfertigen
  zu  lassen.

5.  Geschichte.  Der  Geschichte  sind  in  der  ersten  Klasse  der
Präparandenanstalten  drei,  in  den  anderen  Klassen  und  den  des  Secminars
  je  zwei  wöchentliche  Stunden  gewidmet.  Als  Ziel  wird  bezeichnet:
  Der  Unterricht  soll  genaue  Kenntnis  der  vaterländischen
Geschichte  sowie  Bekanntschaft  mit  den  wichtigsten  Ereignissen
der  alten  Geschichte  und  der  Geschichte  der  großen  modernen  Kul-