Die  Lehrerbildungsanstalten.  289

und  guten  Aussprache.  Die  Anfangsgründe  sind  in  einem  Lautierkursus  zu  geben.  Die
(Grammatik  ist  deshalb  auf  das  nötigste  beschränkt.  Aus  Formenlehre  und  Syntax  wird
nur  das  allgemein  Gebräuchliche  geboten,  auf  sichere  Einprägung  der  Formeln  und
Regeln  Nachdruck  gelegt.  Auf  keinen  Fall  darf  durch  sprachliche  Belehrungen  und
Übungen  die  Bedeutung  der  Lektüre  und  die  Einführung  in  das  Verständnis  der  Schriftsteller
  beeinträchtigt  werden.  Damit  ist  verwehrt,  daß  die  Grammatik  einen  zu  breiten
Raum  einnimmt,  wie  das  früher  mitunter  der  Fall  war.

Der  fremdsprachliche  Unterricht  beginnt  in  der  Präparandenanstalt  mit  den  Elementen
  der  Sprache.  Die  3.  Klasse  bringt  Aneignung  einer  richtigen  Aussprache,  Leseübungen
  und  Erwerbung  eines  mäßigen  Wortschatzes.  Im  Französischen  wird  der  Indikativ
  der  regelmäßigen  Verben  und  Hilfsverben  erlemt,  im  Englischen  die  regelmäßige
Formenlehre.  Die  2.  Klasse  erweitert  den  Wortschatz;  im  Französischen  kommen  der
Konjunktiv  der  Verben,  die  Deklination  des  Haupt-  und  Eigenschaftswortes,  die  Steigerung
  und  die  Zahlwörter,  im  Englischen  die  unregelmäßige  Formenlehre  hinzu.  Die
1.  Klasse  bringt  außer  Erwerbung  des  Wort-  und  Phrasenschatzes  im  Französischen  die
notwendigsten  unregelmäßigen  Verben,  deren  gebräuchlichste  Formen  gründlich  auswendig
  zu  lemen  sind,  ferner  die  Fürwörter,  im  Englischen  die  Syntax  des  Verbums
(außer  dem  Konjunktiv)  und  den  Gebrauch  der  Zeiten.  Das  Seminar  wiederholt  und
ergänzt  in  der  3.  Klasse  im  Französischen  die  Formenlehre  und  den  Wort-  und  Phrasenschatz
  und  bringt  die  Wortstellung  und  den  Gebrauch  der  Zeiten,  im  Englischen  das
Unentbehrliche  aus  der  Lehre  vom  Konjunktiv,  die  Syntax  dessArtikels,  des  Substantivs
und  des  Adjektivs.  Die  2.  Klasse  lehrt  im  Französischen  den  Gebrauch  der  Modi,  ferner
Infnitiv  und  Partizip,  sowie  Kasusrektion,  im  Englischen  die  Syntax  des  Pronomens  und
Adjektivs  sowie  die  wichtigsten  Präpositionen.  In  der  1.  Klasse  findet  eine  Ergänzung
und  Zusammenfassung  der  Syntax  statt.  In  allen  Klassen  wird,  wie  schon  erwähnt,
Lektüre  getrieben,  außerdem  werden  schriftliche  und  mündliche  Übungen  veranstaltet.

In  den  Lehrplänen  hat  das  oft  empfohlene  Lesen  französischer  Pädagogen  keine
Stätte  erhalten.  Was  der  Seminarist  aus  der  Pädagogik  der  Franzosen  und  Engländer
wissen  muß,  lernt  er  in  den  diesem  Fache  gewidmeten  Stunden.  \Wenn  es  auch  des
Reizes  nicht  entbehrt,  ausländische  Meister  im  Originaltext  zu  lesen,  so  ist  es  für  den
Seminaristen  doch  wichtiger,  etwas  aus  der  Literatur  der  Franzosen  und  Engländer
kennen  zu  lernen,  als  etwas  Pädagogisches  zu  lesen,  das  zufällig  französisch  oder
englisch  geschrieben  ist.

b)  Die  Naturwissenschaften.

1.  Mathematik.  Den  Schlüssel  für  die  Naturwissenschaft
bildet  die  Mathematik,  welche  ihre  Gesetze  nachweist.  Sie  ist  aber
nicht  allein  deshalb  wichtig,  sondern  auch  wegen  ihrer  ungeheuren
praktischen  Notwendigkeit  für  das  tägliche  Leben  und  wegen  ihrer
formalen  Bildung.  Neben  der  Sprachlehre  kommt  ihr  in  erster  Linie
die  Schulung  im  Denken  und  Schließen  zu.  Scharfes  Denken,  Kürze
und  Bestimmtheit  im  Ausdruck  werden  besonders  in  der  Raumlehre
erwartet.

Der  mathematische  Unterricht  tritt  aber  auch  in  den  Dienst  der
Staats-  und  Volkswirtschaft,  der  ja  auf  den  Lehrerbildungsanstalten
noch  kein  besonderes  Fach  angewiesen  ist.  Im  Anschluß  an  die
Aufgaben  sind  darüber  Belehrungen  zu  geben.  Es  kann  kein  Zweifel

Das  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich.  III.  19