Die  Lehrerbildungsanstalten.  293

wichtigsten  ausländischen  Kulturpflanzen,  die  Sporenpflanzen  und  die  Pflanzensystematik  ;
es  werden  ferner  Übungen  im  Bestimmen  von  Pflanzen  angestellt.  Die  Tierkunde  bespricht
  in  der  Präparandenanstalt  die  gesamte  Tierwelt.  Im  Seminar  hat  nur  noch  die
3.  Klasse  Naturbeschreibung.  Hier  kommen  die  Gestalt-  und  Gewebelehre  und  die
lzbenserscheinungen  der  Pflanzen  und  Tiere  zur  Sprache,  außerdem  noch  der  Bau  unıl
das  Leben  des  menschlichen  Körpers  unter  Berücksichtigung  der  Gesundheitspflege.
Diese  gibt  die  Grundlage  für  die  in  der  Pädagogik  zu  behandelnde  Schulgesundheitspflege
  sowie  für  die  im  Turnunterricht  zu  erörternden  Gesundheitsregeln  bezüglich
des  Turnens  und  Schwimmens  und  für  die  Unterweisung  im  Samariterdienst.  Eine  Ergänzung
  der  (Gresundheitspflege  bildet  dann  die  in  der  2.  Seminarklasse  bei  der  Chemie
besprochene  Nahrungsmittellehre.  Der  Unterricht  in  der  Pflanzen-  und  Tierkunde  beginnt
  mit  der  Beschreibung  einzelner  Wesen  und  führt  durch  Vergleichung  verwandter
Formen  zum  Verständnis  des  Systems.  Der  Nachdruck  liegt  indes  auf  der  Biologie.
Bau  und  Leben  der  Pflanze  und  des  Tieres  sollen  zum  Verständnis  kommen;  dann  soll
aber  auch  stets  die  Bedeutung  der  Naturwesen  für  den  Menschen  und  im  Haushalte  der
Natur  zur  Besprechung  gelangen.

Der  Unterricht  in  Physik  setzt  erst  in  der  2.  Präparandenklasse  ein.  Hier  sowie
in  der  1.  Klasse  werden  die  allgemeinen  Eigenschaften  der  Körper,  die  Mechanik  und
die  Lehre  vom  Schall  erörtert.  Die  3.  Seminarklasse  bringt  die  zusammengesetzten
Eigenschaften  fester,  tropfbarflüssiger  und  gasförmiger  Körper,  Wärmelehre,  Magnetismus
und  Witterungslehre  —  mancher  Lehrer  hat  später  im  Auftrage  des  Königlichen  meteorologischen
  Instituts  an  seinem  Orte  Witterungsbeobachtungen  anzustellen,  welche  der
meteorologischen  Wissenschaft  dienen.  Die  2.  Klasse  bespricht  die  Lehre  vom  Licht  und
«lie  Elektrizität.  Chemie  und  Mineralogie  wird  nur  auf  dem  Seminar  gelehrt,  und  zwar
in  der  3.  Klasse,  die  Metalloide  und  Leichtmetalle,  in  der  2.  die  Metalle,  das  wichtigste
  aus  der  organischen  Chemie  und  der  Technologie,  sowie  die  Nahrungsmittellehre.
Ferner  kommen  hier  zur  Behandlung  die  für  die  Industrie  und  Technik  wichtigen
Mineralien,  ferner  die  für  Bildung  der  Erdrinde  hauptsächlichsten  Gesteine  und  Bodenarten.
  Ihre  Ergänzung  findet  dann  die  Geologie  in  der  Erdkunde.  Der  Nachdruck  beim
Unterricht  in  der  Naturlehre  soll  in  einer  auf  Beobachtung  der  Erscheinungen  begründeten
Erfassung  der  Naturgesetze,  auf  dem  Verständnis  ihres  Zusammenhanges  und  der
Kenntnis  ihrer  Anwendung  liegen.  In  allen  Zweigen  der  Naturlehre  ist  genau  einzugehen
  auf  die  Bedeutung  und  Verwendung  der  Naturkörper  und  Naturkräfte  im  Haushalte
  der  Natur  oder  im  täglichen  l.eben,  in  Landwirtschaft  und  (Grewerbe,  in  Technik
und  Industrie,  Verkehrsleben  usw.

In  enger  Beziehung  mit  dem  naturkundlichen  steht  der  landwirtschaftliche  Unterricht,
  der  aber  nur  in  der  3.  und  2.  Seminarklasse  einmal  wöchentlich  erteilt  wird.
Seine  Notwendigkeit  erklärt  sich  «daraus,  daß  zahlreiche  Lehrer  Schulstellen  auf  dem
T.ande  haben.  Darum  beschränkt  er  sich  auf  Obst-  und  Grartenbau,  —  aber  auch  Unterricht
  in  Seiden-  und  Bienenzucht  wird  aus  gleichem  Grunde  erteilt.  Es  liegt  aber  auch
der  Zweck  vor,  das  zum  Unterricht  an  ländlichen  Fortbildungsschulen  nötige  Verständnis
der  ländlichen  Interessen  zu  erzielen.  Seine  Vorbereitung  findet  der  landwirtschaftliche
Unterricht,  indem  die  Naturbeschreibung  in  der  Pflanzenkunde  an  den  entsprechenden  Stellen
die  Obstbäume  und  die  Gartenpflanzen  sowie  die  den  Ackerboden  bildenden  (sesteinsarten
vorwiegend  behandelt.  Die  Unterweisung  ist  im  Winter  theoretischh  im  Somnier
vorwiegend  praktisch.

3.  Erdkunde.  Die  Erdkunde  trägt  sehr  stark  den  Charakter
einer  Naturwissenschaft,  seitdem  man  gelernt  hat,  die  Bedingungen
der  Erde  auf  den  Gebieten  der  Mathematik,  Astronomie,  Geologie,
Physik  und  der  Meteorologie  zu  finden.  So  wird  denn  die