Die  Lehrerbildungsanstalten.  2097

der  2.  und  1.  Klasse  werden  schwierige  Natur-  und  Kunstformen  mit  I.icht  und  Schatten
wiedergegeben,  freie  perspektivische  Übungen  im  Darstellen  von  Teilen  des  Zeichensaals,
des  Schulgebäudes  usw.  veranstaltet,  das  Malen  mit  Wasserfarben  und  die  Skizzierübungen
fortgesetzt.

Dem  Linearzeichnen  soll  von  den  angesetzten  Zeichenstunden  in  der  Regel  alle
14  Tage  im  Winter  eine  Stunde  gewidmet  werden;  der  Nachdruck  liegt  auf  dem  Lösen
praktischer  Aufgaben,  d.  h.  auf  dem  geometrischen  Zeichnen  einfacher  Modelle,  Geräte,
Gebäudeteile  usw.  Es  setzt  in  der  1.  Präparandenklasse  ein,  wo  einfache  Körper  nach
Modellen,  Gerüten,  Gebäudeteilen  usw.  zur  Bearbeitung  gelangen.  In  der  3.  Seminarklasse
  geschieht  das  gleiche  aber  nach  verschiedenen  Ansichten  mit  Schnitten  und  Abwicklungen,
  während  in  der  2.  und  1.  Klasse  noch  Durchdringungen  und  sofern  die
Zeit  reicht,  die  Elemente  der  Schattenkonstruktion  und  Perspektive  zur  Erläuterung
kommen.

Indem  der  Zeichenunterricht  keine  Nachahmungen  sondern  nur  Originale  benutzt,
geht  er  ebenso  wie  die  wissenschaftlichen  Fächer  auf  die  Quellen  zurück.  Die  Schüler
sollen  dadurch  einen  Sinn  für  die  Bedeutung  des  Materials  bei  den  Gebrauchs-  und
Kunstgegenständen  und  seinen  Einfluß  auf  ihre  (sestaltung  erhalten.  So  finden  denn
Gebilde  der  Schnitz-  und  Schmiedekunst  —  jener  echt  deutschen  Künste  —  Verwendung,
dann  aber  auch  Erzeugnisse  der  Ton-  und  Glasindustrie  mit  ihren  prachtvollen,  gerade
für  das  Malen  geeigneten  Glasuren.  Holz-  und  Gipsmodelle  dagegen  —  Ornamentleichen
wurden  letztere  treflend  genannt  —,  bleiben  von  der  Benutzung  ausgeschlossen.  Dann
sind  aber  außer  dem  Schulgebäude  und  dessen  Sammlungen  (hauptsächlich  Tiere,  Schädel,
Pflanzen  usw.),  nahegelegene  Bau-  und  Kunstdenkmäler,  Museen  usw.  dienstbar  zu  machen.
Die  Zeichnungen  werden  mit  Bleistift,  Kohle  und  Kreide  sowie  mit  dem  Pinsel  ausgeführt.
  Bei  Wiedergabe  kleinerer  Formen  (z.  B.  Knospen,  Vogelfüße)  kommt  auch
noch  die  Feder  in  Betracht.  Die  Handhabung  des  im  leben  zumeist  gebrauchten  Bleistifts
  ist  in  erster  Linie  zu  fördern.

Die  Benutzung  des  Zeichenunterrichts  zur  Anfertigung  von  Anschauungsbildern  für
andere  Unterrichtsfächer  ist  unzulässig.  Das  schließt  nicht  aus,  daß  dies  bei  Bedart
außerhalb  der  Zeichenstunde  geschieht;  der  junge  Lehrer  wird  dies  später  im  Amte  oft
tun  müssen.  Dagegen  wird  auf  das  Zeichnen  in  andern  Fächern  viel  Wert  gelegt,  in
der  Mathematik  sind  die  nötigen  Zeichnungen  stets  genau  und  sauber  auszuführen,  in
der  Naturkunde  ist  es  Heißig  anzuwenden,  ebenso  in  der  Erdkunde  beim  Entwerfen  vun
Kartenskizzen.

4.  Turnen.  Ein  altes,  weit  bekanntes  Wort  besagt,  ein  gesunder  Geist  wohne
nur  in  einem  gesunden  Leibe.  Gerade  für  den  geistig  Arbeitenden  ist  die  Pflege  des
Körpers,  besonders  in  den  Jahren,  wo  er  sich  ausbildet,  dringend  notwendig.  Darum
fordern  die  Lehrpläne  auch  das  Tumen  wegen  der  körperlichen  Ausbildung  der  Zöglinge
und  ihrer  Kräftigung.  Es  soll  aber  weiter  Mut  und  Ausdauer,  Beherrschung  des  Willens
und  Gewöhnung  an  Ordnung,  Pünktlichkeit  und  Unterordnung  unter  die  Zwecke  des
(sanzen  erzeugen.  Aber  der  Betrieb  des  Tumens  kann  leicht  einen  harten,  rauhen
Charakter  annehmen.  Deshalb  hatten  schon  die  Griechen  die  Gymmastik  in  den  Dienst
der  Kunst  gestellt  und  in  schöner  Harmonie  ihr  Ideal  gesehen,  und  nicht  minder  fängt
die  Gegenwart  an,  dies  zu  tun.  Deshalb  fordern  auch  die  Lehrpläne  bei  allem  Streben
nach  größeren  l.eistungen  gerade  (Crenauigkeit  und  Schönheit  bei  Ausführung  der  einfachen
  Übungen.  Diese  Harmonie  und  Schönheit  kommt  besonders  in  den  Turnspielen
zur  Geltung.  Freudig  darf  es  begrüßt  werden,  daß  sie  neben  den  Kraflleistungen  de«
Gerätturnens  seit  einigen  Jahren  eine  wesentlich  gesteigerte  Pflege  gefunden  haben;  auch
die  Lehrpläne  bezeichnen  sie  als  notwendigen  Bestandteil  des  Turnens  und  behalten
ihnen  eine  Stunde  wöchentlich  vor.  Der  Wunsch,  ihren  Betrieb  so  anregend  zu  gestalten,
  daß  die  Schüler  ihre  Erholung  in  den  freien  Stunden  darin  suchen,  hat  sich
wohl  ausnahmslos  erfüllt.  Namentlich  finden  die  Ballspiele,  wie  'Treib-  und  Fußball  und