302  Die  Volksschullehrerbildung.

noch  besonders  im  Anstellen  von  Beobachtungen  und  von  Schulversuchen,
  auch  in  der  Selbstanfertigung  einfacher  Apparate  planmäßig
geübt.  Die  Anleitung  zum  Experimentieren  ist  umso  wichtiger,  als
es  nicht  leicht  zu  lernen  und  nur  nach  gehöriger  Anleitung  mit
Sicherheit  auszuführen  ist.  Der  landwirtschaftliche  Unterricht  soll
zudem  Anweisung  zur  Anlage  eines  Schulgartens  geben.  Im  Turnen
erhalten  außer  der  Geschichte  und  der  Handhabung  dieses  Faches
die  Seminaristen  Belehrungen  über  die  beim  Turnen,  Spielen  und
Schwimmen  zu  beobachtenden  Gesundheits-  und  Vorsichtsmaßregeln
sowie  über  die  erste  Hilfe  bei  Unglücksfällen.  Zur  allgemeinen
methodischen  Ausbildung  gehört  aber  auch  der  Gebrauch  der  Kreide
an  der  Wandtafel;  die  Übung  darin  beginnt  im  Schreibunterricht  der
i.  Präparandenklasse.

Es  sind  Bedenken  darüber  geäußert  worden,  daß  die  theoretische
Methodik  jetzt  ganz  der  Oberklasse  überwiesen  wäre;  denn  jetzt
müßte  der  Seminarist  ohne  die  nötige  methodische  Unterweisung
sofort  praktisch  unterrichten.  Dem  ist  entgegenzuhalten,  daß  bei  der
früheren  Behandlung  der  Methodik  in  der  Mittelklasse  vieles  verloren
ging,  weil  die  praktische  unterrichtliche  Tätigkeit  und  somit  das  rechte
Verständnis  für  vieles  der  Theoretik  fehlte.  Zudem  werden  nunmehr
ın  der  2.  Klasse  das  ganze  Jahr  hindurch  wöchentlich  je  vier  Lektionen
gehalten,  und  da  es  gestattet  ist,  mehrere  Seminaristen  in  jeder
Lektion  heranzuziehen,  so  sind  sie  bei  Eintritt  in  die  1.  Klasse  mit
dem  wichtigsten  der  Methodik  praktisch  bekannt  geworden.  Außerdem
sollen  sich  an  die  Lektionen  Erläuterungen  über  das  Methodische  anschließen.
  Als  durchaus  fruchtbar  und  gegenseitig  fördernd  muß  es
vielmehr  angesehen  werden,  daß  jetzt  in  der  1.  Klass=  die  theoretische
Methodik  mit  dem  praktischen  Unterrichten  Hand  in  Hand  geht.
Jene  früher  einmal  in  Hannover  und  Holstein  übliche  Ausbildung,
bei  einem  älteren  Lehrer  mitunter  jahrelang  zu  unterrichten,  dann  erst,
oft  im  Alter  von  30  Jahren,  nicht  selten  mit  der  Familie,  das  Seminar
zu  beziehen,  hatte  doch,  so  wenig  empfehlenswert  sie  auch  heutzutage
ist,  den  Vorteil,  daß  die  theoretischen  Erörterungen  auf  einen
günstigen,  durch  praktische  Erfahrung  gut  beackerten  Boden  fielen.

Die  praktische  Ausbildung  beginnt  jetzt  also  bereits  in  der
2.  Klasse,  wo  in  Religion,  Deutsch  und  Mathematik  je  eine  Sonderstunde
  wöchentlich  angesetzt  ist.  Aus  den  andern  Fächern  wird
nach  einem  genau  festzustellenden  Plane  wöchentlich  je  eine  Lektion
echalten.  In  der  ersten  Klasse  unterrichtet  der  Seminarist  mit  Ausnahme
  der  für  die  Prüfungsvorbereitung  gewidmeten  letzten  Wochen,