Die  Lehrerbildungsanstalten.  305

Bücher  erschienen,  die  großenteils  eine  erfreuliche  Ergänzung  des
mündlichen  Wortes  bedeuten.  Als  Wiederholungsmittel  sind  sie  im
Seminarunterricht  unentbehrlich,  ihn  selbst  dürfen  sie  nie  ersetzen
wollen.  Darum  dürfen  sie  nicht  in  breitem  Rahmen  erzählend  oder
entwickelnd  vorgehen,  nur  Tatsachen  müssen  geboten  werden,
möglichst  kurz,  und  wo  es  der  Gegenstand  erfordert,  in  entwickelnder
Reihenfolge.  Ein  solches  Buch  soll  ja  als  ein  Hilfsmittel  für  den
Unterricht  nie  dem  lebendigen  Worte  des  Lehrers  oder  den  Werken
der  Meister  auf  den  verschiedenen  geistigen  Gebieten  Konkurrenz
machen.

Viel  ist  sodann  darüber  gestritten  worden,  ob  die  Bücher  nur
das  enthalten  dürften,  was  im  Uhnterrichte  „wirklich“  durchgearbeitet
werden  kann,  oder  auch  mehr.  Mitunter  hat  sich  eine  geradezu
eigentümliche  Scheu  vor  dem  „zu  viel‘  in  den  Lehrbüchern  entwickelt.
Es  sei  aber  nicht  zu  vergessen,  daß  dieses  „zu  viel“  für  diejenigen
Seminaristen  bestimmt  ist,  die  dafür  Interesse  haben  und  es  sich  im
freien  Arbeiten  aneignen  wollen.  Und  für  ein  Fach  zum  mindesten
pflegt  jeder  Seminarist  Teilnahme  zu  besitzen!  Das  Lehrbuch  soll
ihm  zudem  ein  Führer  sein,  wenn  er  in  das  Lehramt  eintritt,  das  ihn
näher  über  die  Gebiete  orientiert,  auf  denen  eine  Weiterbildung  empfehlenswert
  ist.  Nichts  erinnert  mehr  an  jene  Zeiten,  wo  man  dem
Lehrer  die  Pforten  der  Bildung  verschließen  wollte,  als  ein  Buch,
das  ängstlich  sucht,  ja  nicht  mehr  zu  bieten,  als  in  der  Abgangsprüfung
  unbedingt  erfordert  wird.  Vorgeschrieben  werden  durch  die
Lehrpläne  nur  ein  Lesebuch  für  die  Präparandenanstalten,  sowie
Schulausgaben  für  die  deutsche  und  fremde  Literatur.  In  betreff  der
andern  Bücher  ist  nichts  weiter  bemerkt,  doch  ist  ihre  Notwendigkeit
geboten,  da  das  Nachschreiben  im  Unterrichte  untersagt  ist.

Die  Zuhilfenahme  wissenschaftlicher  oder  populärwissenschaftlicher
  Bücher,  zumal  solche  hervorragender  Stilisten,  wird  für  Geschichte,
  Natur-  und  Erdkunde  ausdrücklich  gefordert.  Sie  könncn
wegen  der  teilweise  bedeutenden  Kosten  natürlich  nicht  von  den
Seminaristen  angeschafft  werden,  hier  tritt  die  Seminarbibliothek  ein.
Sie  ist  sowohl  für  die  Seminarlehrer  wie  für  die  Seminaristen  bestimmt
  und  enthält  in  erster  Linie  pädagogische  und  methodische,
sodann  fachwissenschaftliche  Werke,  aber  auch  die  Erzeugnisse  der
deutschen  und  fremden  Literaturen,  endlich  noch  Volks-  und  Jugendschriften.
  Außerdem  werden  verschiedene  pädagogische  und  wissenschaftliche
  Zeitschriften  gehalten.  Einzelne  Seminare  fangen  an,  Lesezimmer
  für  die  Zöglinge  zur  leichteren  Benutzung  der  Bibliothek  ein-Das

  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich.  III.  20