306  Die  Volksschullehrerbildung.

zurichten,  die  entweder  täglich  oder  einige  Stunden  in  der  Woche
geöffnet  sind.  Hier  legen  auch  vielfach  Seminarlehrer  die  von  ihnen
empfohlenen  und  in  ihrem  Besitz  befindlichen  Werke  zur  allgemeinen
Kenntnisnahme  seitens  der  Seminaristen  aus.

Ferner  existieren  bei  den  Lehrerbildungsanstalten  eine  Reihe
von  Sammlungen,  die  teilweise  im  Dienst  der  Übungsschule  stehen,
aber  auch  den  künftigen  Volksschullehrer  orientieren  sollen.  Es  sind
Lesemaschinen,  Bilder  für  den  Anschauungsunterricht,  die  Geschichte,
die  Erd-  und  Naturkunde,  ferner  Globen  und  Karten  vorhanden,
weiter  die  umfangreichen  Sammlungen  zur  Naturbeschreibung  und
Naturlehre,  mitunter  auch  zur  Schulhygiene.  Vielerorts  finden  sich
für  Weckung  des  künstlerischen  Sinnes  Original-Künstlersteinzeichnungen,
  und  nicht  vergessen  seien  die  zahlreichen  Gegenstände,
welche  der  jetzige  Betrieb  des  Zeichenunterrichtes  erfordert.  Besonderer
  Wert  wird  auf  möglichsten  Umfang  dieser  Sammlungen
gelegt,  da  das  Seminar  auch  in  dieser  Beziehung  vorbildlich  zu
wirken  hat.

B.  Die  andern  Bundesstaaten.

Die  außerpreußischen  Bundesstaaten  weisen  im  allgemeinen  die
gleiche  Ausbildung  der  Lehrer  auf;  es  braucht  daher  nur  das
wichtigste  Erwähnung  zu  finden.  Bemerkt  sei  jedoch,  daß  seit  Erlaß
der  preußischen  Lehrpläne  vom  1.  Juli  1901,  welche  die  Lehrerbildung
  so  wesentlich  steigerten,  eine  Reihe  von  Bundesstaaten  in  die
Neubearbeitung  ihrer  Seminarlehrpläne  getreten  ist;  ein  Abschluß
erfolgte  bisher  nicht.

Bayern  besitzt  vier  evangelische  und  acht  katholische  Seminare,
außerdem  noch  eine  Reihe  von  Präparandenanstalten,  alles  staatliche
Institute.  Der  Kursus  auf  dem  Seminar  ist  zwei-,  auf  der  Präparandenanstalt
  dreijährig.  Pflichtfächer  sind  Religion,  Deutsch,  Arithmetik
und  Mathematik,  Erdkunde,  Geschichte,  Naturwissenschaft,  Erziehungsund
  Unterrichtslehre,  Zeichnen,  Schönschreiben,  Musik,  Turnen,  Gesetzeskunde,
  Kirchendienst.  Als  Wahlfächer  gelten  Stenographie,
Lateinisch  und  Französisch.  Seminarleiter  ist  ein  Direktor,  dem  ein
Oberlehrer  zur  Seite  steht;  beide  sollen  akademische  Bildung  aufweisen,
  meist  sind  es  Theologen.  Zu  Seminarlehrern  werden  tüchtige
Volksschullehrer,  welche  die  2.,  aber  weiter  keine  Prüfung  bestanden
haben  brauchen,  genommen.  Während  der  Sommerferien  1900  veranstaltete
  in  München  das  Ministerium  Fortbildungskurse  für  Seminarlehrer
  in  Mathematik  und  Physik,  1901  in  Chemie  und  Mineralogie.