320  Die  Volksschullehrerbildung.

oder  von  den  Magistraten  größerer  Städte  vier-  bis  sechswöchentliche
Kurse  für  Lehrer  (auch  für  Lehrerinnen)  zur  Orientierung  über  die
neue  Zeichenmethode  eingerichtet.  Ein  vierwöchentlicher  Zeichenkursus
  für  bayrische  Seminarlehrer  besteht  in  München.

Außerdem  werden  an  einzelnen  Seminaren  mehrwöchentliche
Kurse  für  Weiterbildung  der  Organisten  abgehalten.  Zur  Ausbildung
in  den  Turnspielen  hat  Preußen  (in  Gemeinschaft  mit  Braunschweig
und  Hamburg)  im  Jahre  1903  12  Spielkurse  für  Lehrer  veranstaltet;
auch  die  Volksschullehrer  waren  zur  Teilnahme  berechtigt.

Endlich  sei  noch  der  Obstbaukurse  gedacht,  die  auf  die  Dauer
von  zwei  Wochen  in  der  ganzen  Monarchie  an  landwirtschaftlichen
Lehranstalten  für  Lehrer  stattfinden;  im  Jahre  1898  waren  es  AM.
Der  Zweck  ist  dabei,  Seminar-  und  Volksschullehrer  soweit  in  den
Obstbau  einzuführen,  daß  sie  ihren  Schülern  die  Grundlage  dieses
landwirtschaftlichen  Zweiges  geben  können,  aber  selbst  auch  mit  den
Fortschritten  vertraut  werden.  Dies  ist  um  so  wichtiger,  da  mit
Recht  geklagt  wird,  daß  in  Deutschland  der  Obstbau  noch  lange
nicht  die  Pflege  findet,  die  er  vom  volkswirtschaftlichen  Standpunkte
aus  verdient.  All  die  erwähnten  Kurse  sind  unentgeltlich;  die  Kosten
trägt  zumeist  der  Staat.

2.  Die  Veranstaltungen  des  Staates  und  von  Vereinigungen
im  Interesse  des  Fortbildungsschulwesens.

Es  bestehen  noch  eine  Reihe  von  Einrichtungen,  die  für  die
Fortbildung  der  Volksschullehrer  von  Bedeutung  sind.  Das  sind  die
Institute  oder  Kurse,  welche  ihm  die  Möglichkeit  geben,  sich  als
J.ehrer  für  Fortbildungsschulen  aller  Art  auszubilden.  Jene  Kurse
werden  entweder  vom  Staat  oder  von  besonderen  Vereinigungen,
zumeist  mit  staatlicher  Unterstützung,  veranstaltet.  Ihre  Bedeutung
für  die  Allgemeinbildung  der  Lehrerschaft  ist  darin  zu  suchen,  daß
deren  Blick  für  die  wirtschaftlichen  und  technischen  Verhältnisse  des
Vaterlandes  wesentlich  geweitert  und  sie  selbst  vor  Einseitigkeit  und
Verknöcherung  im  Berufe  bewahrt  wird.

Zur  Ausbildung  von  Lehrern  an  kaufmännischen  Fortbildungsschulen
  veranstaltet  der  Minister  für  Handel  und  Gewerbe  vierwöchentliche
  Kurse  in  Berlin,  zu  denen  40—50  V  olksschullehrer  und  -Lehrerinnen
Zutritt  haben.  Anleitung  findet  statt  zum  Unterrichten  in  der  Buchführung,
  im  kaufmännischen  Rechnen,  in  der  allgemeinen  Handelslehre
  (Bank-  und  Börsenwesen,  Post-  und  Eisenbahnverkehr  usw.  |,
in  der  kaufmännischen  Korrespondenz  und  im  Handels-  und  Wechsel-