Die  Fortbildung.  391

recht.  Ferner  werden  Besprechungen  über  Lehr-  und  Stoffverteilungspläne,
  Lehrmittel,  Lehrmethode  usw.  sowie  Besuche  in  kaufmännischen
Fortbildungsschulen  veranstaltet.  Seit  1903  existiert  sodann  in  Berlin
ein  vierwöchentlicher  Oberkursus,  zu  dem  etwa  40  Fortbildungsschullehrer
  einberufen  werden.  Außerdem  bestehen  mit  staatlicher  Unterstützung
  in  einzelnen  Städten  vier-  bis  sechswöchentliche  Kurse,  um
Volksschullehrer  im  Zeichnen  für  gewerbliche  Fortbildungsschulen  zu
unterweisen.  Die  Ausbildung  als  Handelslehrer  gewährt  auch  die
Akademie  für  Sozial-  und  Handelswissenschaften  in  Frankfurt  a.  M.,
deren  Besuch  auch  Volksschullehrern  frei  steht.  Die  Vorlesungen
umfassen  folgende  Gebiete:  Volkswirtschaftsiehre,  Rechtswissenschaften
  und  Konsularpraxis,  Versicherungswissenschaft  und  Statistik,
Handelswissenschaften  (Kaufmännisches  Rechnen,  Buchführung,  Korrespondenz,
  Handelsgeographie  usw.),  Geschichte,  Literatur  und  Kunstgeschichte,
  Neuere  Sprachen,  Technik  und  andere  Hilfswissenschaften.

Zur  Ausbildung  von  Lehrern  an  ländlichen  Fortbildungsschulen
veranstaltet  das  Ministerium  für  Landwirtschaft,  Forsten  und  Domänen
an  einigen  Landwirtschaftsschulen  fünfwöchentliche  Kurse,  zu  denen
Volksschullehrer  einberufen  werden.  Zwei  solcher  umfassen  einen
Gesamtlehrgang,  sie  sind  den  Bedürfnissen  des  kleinbäuerlichen  Betriebes
  entsprechend  eingerichtet  und  lehren  im  ersten  Jahre  Chemie,
Pflanzenproduktion,  Zoologie,  landwirtschaftliches  Unterrichtswesen
in  Verbindung  mit  Übungen,  im  zweiten  Jahre  außer  letzterem  noch
Chemie,  Botanik  und  Tierproduktion.  Diese  Kurse  sind  ebenso  wie
die  des  Handelsministeriums  unentgeltlich,  sogar  Beihilfen  für  die
Reise-  und  Aufenthaltskosten  stehen  zur  Verfügung.

Ein  besonderes  Verdienst  hat  sich  der  deutsche  Verein  für  das
Fortbildungsschulwesen  um  dieses  erworben.  Er  richtet  jährlich  sechswöchentliche
  Ausbildungskurse  für  Fortbildungsschullehrer  ein.  Das
Unterrichtsgeld  beträgt  60  M.,  doch  zahlen  dies  sowie  die  Reise-  und
Aufenthaltskosten  für  die  jene  Einrichtung  benutzenden  Volksschullehrer
  meist  der  Staat  oder  Gemeinden  oder  kaufmännische,  gewerbliche
  oder  landwirtschaftliche  Vereine.  Im  Jahre  1903  wurden  Kurse
für  Lehrer  an  kaufmännischen  und  gewerblichen  Fortbildungsschulen
in  Leipzig  und  Frankfurt  a.  M.  abgehalten.  Folgende  wissenschaftliche
Vorträge  waren  vorgesehen:  Soziale--  und  Gewerbegesetzgebung,
Volkswirtschaftslehre,  Bürgerkunde,  Kunstgewerbe,  Technologie,  Gewerbehygiene,
  Fortbildungsschulwesen,  kleingewerbliche  Maschinenkunde.
  Außerdem  fanden  methodische  Vorträge  und  solche  über
Lehrplankunde  statt,  praktische  Übungen  im  Zeichnen,  in  der  Buch-Das

  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich,  III.  21