322  Die  Volksschullehrerbildung.

führung  und  der  gewerblichen  Kalkulation,  Besuche  von  Fabriken,
Werkstätten  und  Fortbildungsschulen,  sowie  Diskussionsabende.  Für
das  Jahr  1904  sind  von  eben  genanntem  Verein  auch  Kurse  für
Lehrer  an  ländlichen  Fortbildungsschulen  in  Aussicht  genommen.
Unterrichtsgegenstände  sollen  sein:  Chemie,  Pflanzenkunde,  Ackerbaubetriebslehre,
  Tierpflege,  Zoologie,  Gartenbau,  Geräte-  und  Maschinenlehre,
  Volkswirtschaft,  Buchführung,  Lehrplankunde  und  Methodik.

Endlich  sei  noch  des  vom  deutschen  Verein  für  Knabenhandarbeit
gegründeten  Handfertigkeitsseminars  in  Leipzig  gedacht,  auf  dem
Volksschullehrer  als  Lehrer  des  Handfertigkeitsunterrichts  ausgebildet
werden;  außerdem  finden  einzelne  Kurse  dafür  in  verschiedenen
Städten  statt.  Den  Hauptteil  des  Unterrichts  bildet  die  Einführung
in  die  Technik  der  einzelnen  Arbeitsfächer,  nämlich:  Arbeiten  der
Vorstufe,  Papparbeit,  Hobelbankarbeit,  Holzarbeit  für  ländliche  Schülerwerkstätten,
  Schnitzen,  Modellieren,  Metallarbeit  und  Herstellung  von
Lehrmitteln  (sogenannte  Schulhandfertigkeit)..  In  der  mit  dem  Seminar
verbundenen  Schülerwerkstätte  wird  praktische  Methodik  getrieben.
Außerdem  werden  Vorträge  über  die  Geschichte,  das  Wesen  und  die
einzelnen  Teile  des  Arbeitsunterrichts  gehalten,  insbesondere  auch
seine  Bedeutung  in  pädagogischer,  volkswirtschaftlicher,  sozialer  und
hygienischer  Beziehung.

3.  Die  Tätigkeit  der  Lehrervereine.

Die  Lehrervereine  haben  schon  an  einer  anderen  Stelle  dieses
Werks  Erwähnung  gefunden.  Hier  sei  noch  ihre  Bedeutung  als
wirksame  Vermittler  der  Fortbildung  der  Lehrer  hervorgehoben.

Die  einfachste  Art  der  Weiterbildung  im  Vereine  geschieht
durch  Vorträge,  die  gewöhnlich  monatlich  einmal  stattfinden,  und  an
die  sich  Besprechungen  anschließen.  Auch  Musterlektionen  werden
gehalten,  natürlich  nicht  ohne  anschließende  Debatte.  Weiter  veranstalten
  viele  Vereine  Gesangübungen,  oder  haben  besondcre  Gesangsabteilungen
  gebildet.  So  hat  der  Berliner  Lehrergesangverein  im
Jahre  1903  den  vom  Deutschen  Kaiser  gestifteten  Ersten  Preis  beim
Gesangwettstreit  deutscher  Männergesangvereine  sich  erworben.  Zahlreiche
  Vereine  haben  zudem  Büchereien  eingerichtet,  Zeitschriftenlesezirkel
  eingerichtet,  —  alles  höchst  wirkungsvolle  Ergänzungen  und
Erweiterungen  der  vom  Staate  veranstalteten  Konferenzen  und  Bibliotheken.
  Oft  vereinigen  sich  auch  mehrere  Lehrer  zu  einem  Lesezirkel  und
halten  z.  B.  den  Kunstwart,  den  Türmer,  die  Deutsche  Rundschau,  die
Deutsche  Monatsschrift,  die  Preußischen  Jahrbücher,  die  Grenzboten,  die