Die  Fortbildung.  3973

Musik  usw.,  die  alle  einen  mehr  wissenschaftlichen  und  vornehmästhetischen
  Charakter  tragen.  Dazu  kommt  die  zahllose  Reihe  der
Familienzeitschriften,  wie  Westermanns  Monatshefte,  Daheim  usw.
Meist  sind  auch  pädagogische  Zeitungen  und  Zeitschriften  vertreten,
so  zZ.  B.  die  Deutsche  Schule,  Deutsche  Blätter  für  erziehenden  Unterricht,
  Evangelisches  Schulblatt  usw.

Die  Fortbildung  durch  Vorträge  und  Zeitschriften  trägt,  so  viel
Anregungen  sie  auch  zu  geben  vermag,  doch  keinen  systematischen
Charakter.  Darum  ist  schon  vor  bald  drei  Jahrzehnten  der  Gedanke
entstanden,  wissenschaftliche  Vorlesungen  und  Uhnterrichtskurse  einzurichten.
  Bahnbrechend  ist  hier  seit  1875  der  Berliner  Lehrerverein
vorgegangen.  Vor  einer  Reihe  von  Jahren  begannen  dann  die
Universitäten  Fortbildungskurse  zu  veranstalten.  Wegen  der  Kosten
von  Reisen  und  Aufenthalt  ist  es  naturgemäß  nur  einer  beschränkten
Anzahl  möglich,  solche  Kurse  zu  besuchen.  Darum  entschlossen
sich  zuerst  spärlich,  dann  allgemein  die  Lehrervereine,  nicht  nur
größerer,  sondern  gerade  häufig  mittlerer  und  kleinerer  Städte,
Dozenten  der  nächstgelegenen  Hochschulen  zu  gewinnen,  die  einmal
wöchentlich  ein  Viertel-  oder  ein  Halbjahr  zu  Vorlesungen  in  den
betreffenden  Vereinen  erscheinen.

Für  die  spezielle  Weiterbildung  haben  sich  bei  größeren  Vereinen
einzelne  Sektionen,  so  für  Literatur,  Kunst,  Geschichte,  Naturwissenschaft
  usw.  gebildet.  Hier  werden  Vorträge  über  diese  Gebiete  gehalten,
  wissenschaftliche  Werke  gemeinsam  gelesen,  Exkursionen
veranstaltet  und  dergleichen.

Eine  führende  Stellung  in  den  Vereinsvorträgen  hat  schon  seit
langen  Jahren  der  Deutsche  Lehrerverein,  dem  über  40  Zweigvereine
mit  etwa  2600  Einzelverbänden  und  über  100  000  Mitgliedern  angehören.
  Alle  zwei  Jahre  hält  er  —  der  Ort  ist  wechselnd  —  eine
Vertreterversammlung  ab  (Deutscher  Lehrertag),  bei  der  Vorträge
über  die  sogenannten  Vereinsthemen  gehalten  werden,  die  in  den
beiden  vorhergehenden  Jahren  in  den  Einzelverbänden  eingehend
erörtert  und  durchberaten  worden  sind.

Daneben  zeigt  sich  ein  reges  Leben  in  den  Zweigvereinen  und
Finzelverbänden  —  oft  sind  es  alltägliche  Fragen  der  Pädagogik,  die
hier  erörtert  werden  —  und  meist  zeigte  sich  ein  gründliches  Durchsprechen
  des  scheinbar  Selbstverständlichen  äußerst  fruchtbar,  nicht
selten  sogar  recht  notwendig.  Daneben  waren  es  die  Tagesfragen
des  öffentlichen,  wissenschaftlichen  und  pädagogischen  Lebens,  die
zur  Erörterung  kamen.  Hier  sind  auf  den  Gebieten  der  Erziehung

21*