324  Die  Volksschullehrerbildung.

und  des  Unterrichts  Probleme  entdeckt,  neue  Wege  der  Pädagogik
gesucht  und  in  erregtester  Debatte  angegriffen  und  verteidigt  worden,
hier  ist  das  abgestoßen  worden,  was  weiter  nichts  als  ein  schöner
Gedanke,  vielleicht  auch  das  nicht  einmal  war!  Lief  bei  den  Vorträgen
  und  bei  den  Debatten  auch  manches  Mittelgut  dazwischen,
der  Lehrstand  und  die  Pädagogik  hat  ihnen  doch  viel  zu  verdanken.
Das  bekannte  spöttelnde  Wort,  wo  zwei  Deutsche  zusammen  kämen,
gründeten  sie  mindestens  drei  Vereine,  charakterisiert  den  Sinn  der
Deutschen,  gemeinsame  Interessen  auch  miteinander  in  festem  Verbande
  gemeinsam  zu  verfolgen:  Für  die  Fortbildung  des  Lehrerstandes
sind  die  Vereine  ohne  Zweifel  von  größtem  Segen  gewesen.

Auch  auf  dem  Gebiete  des  Bücherwesens  haben  die  Lehrervereine
für  ihre  Mitglieder  gesorgt.  Eine  ganze  Reihe  von  Vereinen  besitzt
mehr  oder  minder  umfangreiche  Büchereien,  die  für  die  allgemeine
und  die  pädagogische  Weiterbildung  sorgen.  Zwei  mögen  hier
besonders  genannt  werden:  die  pädagogische  Zentralbibliothek  in
Leipzig  und  das  Deutsche  Schulmuseum  in  Berlin.

Die  Pädagogische  Zentralbibliothek  wurde  1871  als  Comeniusstiftung
  gegründet  und  bildet  einen  Teil  des  Leipziger  Lehrervereins.
Sie  will,  wie  ihr  Name  besagt,  eine  Zentralstätte  der  gesamten
pädagogischen  Literatur  Deutschlands  sein,  die  sie  möglichst  mit
Vollständigkeit  zu  sammeln  bemüht  ist.  Sie  besitzt  fast  110  000  Bände,
Broschüren  und  Programme,  und  gehört  damit  zu  den  20  größten
Bibliotheken  Deutschlands.  Sie  verleiht  an  jeden  deutschen  Lehrer,
unter  Umständen  auch  in  das  Ausland.  Außer  der  deutschen  Lehrerschaft
  wird  sie  von  Behörden  und  Gönnern  pekuniär  unterstützt.  Ein
wesentlicher  Teil  der  Bücher,  Broschüren,  Zeitschriften  usw.  geht  als
Geschenk  ein.

Das  Deutsche  Schulmuseum  in  Berlin  wurde  1876  von  dem
Berliner  Lehrer-Verein  gegründet.  Es  soll  ein  möglichst  vollständiges
Bild  der  Entwicklung  der  Pädagogik  Deutschlands  (und  des  Auslands)
eben,  soweit  sic  sich  im  Schrifttum  offenbart.  Sie  umfaßt  rund
30000  Nummern  aus  der  Zeit  von  1500  bis  jetzt.  Angegliedert  ist
eine  etwa  1200  Nummern  umfassende  Handschriftensammlung,  in  der
alle  bedeutenderen  Pädagogen,  besonders  Diesterweg,  vertreten  sind;
auch  alte  Anstellungsurkunden,  Schulberichte  und  dergleichen  sind
vorhanden.  Die  Sammlung  von  Bildwerken  beträgt  über  300  Blätter,
die  der  Schul-Münzen  etwa  50.  Zum  Entleihen  ist  jeder  deutsche
Lehrer  berechtigt.  Dienen  die  meisten  Vereinsbibliotheken  hauptsächlich
  der  Weiterbildung,  ist  die  pädagogische  Zentralbibliothek