Das  'Taubstummen-Bildungswesen  im  Deutschen  Reich.  349

siedelte  im  Frühjahr  1788  nach  Berlin  über  und  ersuchte  das  Ober-Schulkollegium
  um  die  Erlaubnis  zur  Errichtung  einer  Taubstummenanstalt.
  Die  genannte  Behörde  ging  zunächst  auf  diesen  Plan  nicht
ein,  sondern  ließ  erst  die  von  Eschke  angestellten  Unterrichtsversuche
und  die  Behandlungsart  der  taubstummen  Schüler  einer  Prüfung
unterziehen  und  darüber  Bericht  erstatten.  Dieser  fiel  so  günstig  aus,
daß  sie  Eschke  unter  dem  2.  Dezember  1788  gestattete,  eine  Privatanstalt
  für  Taubstumme,  die  erste  derartige  in  Preußen,  zu  errichten.
Die  Erhaltung  dieser  Anstalt,  wenn  er  auch  von  der  Regierung
mancherlei  Unterstützung  erhielt,  wurde  ihm  jedoch  sehr  schwer,  und
um  Kosten  zu  sparen,  siedelte  er  1792  nach  Nieder-Schönhausen  bei
Berlin  über.  Erst  im  Jahre  1798  überwies  ihm  das  Königliche  General-Ober-Finanz-Kriegs-
  und  Domänen-Direktorium  ein  in  Berlin  in
der  Linienstraße  liegendes  und  jetzt  noch  in  Benutzung  befindliches
Gebäude,  und  von  da  an  datiert  die  Eschkesche  Privatanstalt  als
Königliche  Taubstummenanstalt.

In  Baden  wurden  ebenfalls  Versuche  gemacht,  eine  Taubstummenanstalt
  zu  errichten.  Unter  der  Regierung  des  Markgrafen
Karl  Friedrich  fand  die  erste  Zählung  der  Taubstummen  statt
(1780),  nach  der  innerhalb  der  badischen  Besitzungen  131  taubstumme
Personen  ermittelt  wurden.  Die  Regierung  sandte  den  Pfarramtskandidaten
  Hemeling  nach  Leipzig,  um  die  Heinickesche  Methode
des  Taubstummenunterrichts  kennen  zu  lernen.  Hier  scheint  er
jedoch  nicht  das  rechte  Entgegenkommen  gefunden  zu  haben;  er
wandte  sich  deshalb  an  den  Abbe  Stork,  den  Leiter  der  Taubstummenanstalt
  in  Wien,  um  sich  hier  über  die  Methode  des  Taubstummenunterrichts
  zu  orientieren.  Nach  der  Heimat  zurückgekehrt,
eröffnete  er  1784  eine  kleine  Anstalt  in  Karlsruhe,  die  sich  leider
nicht  recht  entwickeln  wollte,  und  deren  Existenz  wiederholt  in
Frage  gestellt  wurde.  Im  Jahre  1820  erfolgte  eine  Neuorganisation
des  Taubstummenunterrichts.  Der  Plan,  die  Anstalt  nach  Bruchsal
zu  verlegen,  scheiterte.  Endlich  fand  sie  1826  ein  Asyl  in  Pforzheim,
von  wo  sie  1865  nach  Meersburg  verlegt  wurde.

Im  Jahre  1794  wurde  dem  Abbe  Barthelemy,  einem  französischen
  Emigranten,  vom  Kurfürsten  Karl  Theodor  von  Bayern  die
Erlaubnis  erteilt,  in  München  Taubstummenunterricht  zu  erteilen.
Da  er  jedoch  der  deutschen  Sprache  nicht  mächtig  war,  gab  er  seine
Versuche  bald  wieder  auf.  Um  nun  eine  geeignete  Persönlichkeit
für  den  Taubstummenunterricht  zu  gewinnen,  schickte  die  bayrische
Regierung  den  Lehrer  an  der  Normalschule  in  Freising,  Priester