IS  Taubstummen-  und  Blindenunterricht.

Bernhard  Ernsdorfer,  1797  nach  Wien,  damit  er  sich  an  dem
dortigen  k.  k.  Taubstummeninstitut  für  das  Taubstummenlehrfach
theoretisch  und  praktisch  vorbereitete.  Nach  seiner  Rückkehr  übertrug
  man  ihm  die  Leitung  einer  kleinen  Taubstummenschule  in
Freising.  Neben  Hebung  dieser  Schule  ging  Ernsdorfers  Streben
hauptsächlich  dahin,  eine  geschlossene  Taubstummenanstalt  ins  Leben
zu  rufen,  und  seine  wiederholten  Bittgesuche  waren  nicht  ohne  Erfolg;
denn  durch  Allerhöchstes  Reskript  vom  10.  Februar  1804  genehmigte
der  Kurfürst  Max  Joseph  die  Einrichtung  eines  Taubstummeninstituts
  und  die  Übernahme  der  erforderlichen  Kosten  auf  die
Provinzialkasse.  Am  24.  August  1804  wurde  es  in  Freising  eröffnet
und  der  Leitung  Ernsdorfers  anvertraut.  Die  Landesdirektion  von
Bayern  bearbeitete  nunmehr  unter  dem  12.  September  1804  eine
„vollständige  Übersicht  der  Grundsätze  der  Verpflegung,  des  Uhnterrichts
  und  der  Erziehung  der  Taubstummen.“  Dieser  Entwurf  fand
die  Zustimmung  der  Kurfürsten,  und  es  wurde  angeordnet,  daß  „auf
höchsten  Befehl  von  dem  kurfürstlichen  Schulen-  und  Studien-Direktorium
  aus  dem  kurfürstlichen  Schullehrer-Seminarium  ein  taugliches
  Subjekt  ausgewählt  und  als  Lehrgehilfe  bei  der  Anstalt
angestellt  werde.“  Der  sehr  sorgfältig  bearbeitete  Plan  zeigt  von
tiefem  Verständnis  der  Aufgaben  der  neuen  Änstalt.  „Der  Zweck,
der  diesem  Institute  aufgegeben  ist,  besteht  darin,  daß  Taubstumme,
denen  es  an  den  erforderlichen  körperlichen  und  geistigen  Eigenschaften
  nicht  fehlt,  durch  Erlernung  der  Sprache  und  der  nötigsten
Kenntnisse,  dann  auch  dadurch,  daß  für  Erlernung  eines  Handwerkes
gesorgt  wird,  zu  verständigen,  guten  und  brauchbaren  Menschen  gebildet
  werden,  welche  nicht  mehr  anderen  mit  ihrem  Unterhalte  zur
Last  fallen,  sondern  fähig  werden  sollen,  sich  denselben  selbst  zu
erwerben.“

Im  Jahre  1817  sollte  der  schon  früher  angeregte  Plan,  die
Freisinger  Anstalt  nach  München  zu  verlegen,  zur  Ausführung  kommen,
und  es  wurden  zu  diesem  Zwecke  die  Räume  des  vormaligen  Stadtwaisenhauses
  zur  Verfügung  gestellt;  doch  kam  es  nicht  zur  Übersiedelung,
  weil  diese  Räume  zur  Erweiterung  des  Erziehungs-Institutes
für  Studierende  notwendig  wurden,  und  so  verzögerte  sich  die  Verlegung
  der  Anstalt  von  Freising  nach  München  bis  zum  Jahre  1826.

Auch  Württemberg  blieb  in  der  Fürsorge  um  die  Taubstummen
  nicht  zurück.  In  Gmünd  hatte  der  katholische  Dekan  und
Stadtpfarrer  Thomas  Kratzer  bereits  1807  den  Unterricht  dreier
taubstummer  Kinder  begonnen.  Durch  die  erzielten  Erfolge  ermuntert,