372  Taubstummen-  und  Blindenunterricht.

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er  muß  daher  den  Schülern  Anschauungs-  und  Sprachstoff  sowie
einfache  Sprachformen  zuführen;  dritte  Stufe:  der  erweiternde
Sprachunterricht,  in  welchem  die  materiell-sprachliche  Grundlage  erweitert,
  der  Anfang  in  der  Behandlung  der  Sprache  als  Gegenstand
des  Unterrichts  gemacht  und  die  sprachliche  Selbsttätigkeit  der
Schüler  angeregt  wird;  vierte  Stufe:  der  abschließende  Sprachunterricht,
  welcher  durch  fortgesetzte  grammatische  Übungen  die  Sprache
mehr  und  mehr  zu  einer  bewußten  Denktätigkeit  macht,  die  Schüler
zum  Verständnisse  der  Unterhaltungssprache  und  einfacher  Volksschriften
  führt  und  sie  befähigt,  ihre  Gedanken  über  Wahrgenommenes,
Erlebtes  und  Empfundenes  in  zusammenhängender  Weise  mündlich
wie  schriftlich  auszudrücken.

6.  In  dem  Sprachunterrichte  Taubstummer  unterscheidet  man:
a)  einen  mechanischen  Sprachunterricht,  der  es  mit  der  technischen
Seite  der  Sprache  zu  tun  hat;  b)  einen  materiellen  Sprachunterricht,
welcher  den  Schülern  Sprachstoff  zuführt;  c)  einen  formellen  Sprachunterricht,
  der  die  Formen  der  Sprache  lehrt;  d)  freie  Sprachübungen,
  bei  denen  die  Umgangssprache  Verwertung  und  Anwendung
  findet.

7.  Gleich  mit  Beginn  des  Sprachunterrichts  treten  vier  Übungen
auf,  die  stets  Hand  in  Hand  gehen,  nämlich  Sprech-  und  Abseh-,
Schreib-  und  Leseübungen.

8.  Da  die  Lautsprache  in  der  Taubstummenschule  zugleich
Unterrichtszweck  und  Uhnterrichtsmittel  ist,  so  muß  sie  während  der
ganzen  Unterrichtszeit  die  sorgfältigste  Pflege  und  Übung  erfahren.

Q,  Klares  und  bestimmtes  Sprechen  der  einzelnen  Laute  und
der  verschiedensten  Lautverbindungen  bei  natürlicher  Bewegung  und
Stellung  der  Sprachwerkzeuge,  richtige  Dehnung  und  Kürzung  der
J.aute  und  erkennbare  Betonung  der  Silben  in  den  Wörtern  und  der
Wörter  in  den  Sätzen  bei  zweckmäßigem  Haushalten  mit  der  Luft
ist  nur  dann  zu  erreichen,  wenn  das  Sprechen  ununterbrochen  mit
der  größten  Gewissenhaftigkeit  gepflegt  wird.

I0.  Da  es  nicht  bloß  darauf  ankommt,  dafs  die  Taubstummen
die  Sprache  erlernen,  um  verstanden  zu  werden,  sondern  da  es  für  sie
von  ebenso  großer  Wichtigkeit  ist,  dafs  sie  andere  verstehen,  so  ist
den  Übungen  im  Absehen  der  Sprache  vom  Munde  Sprechender
nicht  mindere  Sorgfalt  zu  widmen  als  dem  mechanischen  Sprechen.

11.  Die  bei  der  Sprachaneignung  seitens  der  Vollsinnigen  allgemein
  befolgten  Grundsätze  sind  auch  bei  dem  Sprachunterricht  Taubstummer

  festzuhalten.