392  Taubstummen-  und  Blindenunterricht.

Plan  beschäftigt  und  dessen  Bemühungen  auch  viel  zu  dem  Zustandekommen
  derselben  beigetragen  hatten.  Er  blieb  auf  diesem  Posten,
den  er  während  der  schweren  Kriegsbedrängnisse  nur  mit  der  größten
Aufopferung  und  Anstrengung  aufrechterhalten  konnte,  bis  zu  seiner
eigenen  Erblindung  im  Jahre  1847.

2.  Die  Gründung  weiterer  Anstalten.  Im  Jahre  1808
wurde  durch  J.  W.  Klein,  einen  süddeutschen  Protestanten,  der
schon  1804  den  ersten  privaten  Unterrichtsversuch  mit  einem  blinden
Knaben  unternommen,  der  sich  schon  längere  Zeit  mit  diesem
Plan  beschäftigt  hatte,  auch  in  Wien  eine  Blindenlehranstalt  errichtet.
Noch  während  der  Kriegsunruhen  gründete  Flemming,  der  sich  bei
Zeune  Rat  geholt,  1809  die  Blindenanstalt  in  Dresden,  ein  Privatunternehmen,
  das  erst  1831  vom  Staat  übernommen  wurde.

In  den  Freiheitskriegen  1813—15  erblindeten  —  weniger  durch
Schußverletzungen,  vorwiegend  durch  eine  ansteckende  Augenentzündung
  —  über  500  preußische  Soldaten.  Eine  Sammlung  zu  deren
Gunsten  brachte  die  dem  Könige  zur  Verfügung  gestellte  Summe
von  81  000  M.  Auf  Zeunes  Empfehlung  wurde  beschlossen,  die
Gelder  zur  Errichtung  sogenannter  Kriegsblindenanstalten  zu
verwenden,  d.  h.  Werkschulen,  die  nur  solange  bestehen  sollten,  bis
alle  erblindeten  Krieger  handwerksmäßig  ausgebildet  wären.  Zunächst
wurden  nun  in  der  königlichen  Blindenanstalt  zu  Berlin  Werklehrer
vorgebildet  zur  Unterweisung  der  ehemaligen  Soldaten.  So  entstanden
von  1817  an  die  Kriegswerkschulen  zu  Berlin  (im  Invalidenhause),
Breslau,  Königsberg,  Marienwerder  und  Münster.  Drei  derselben
gingen,  weil  sie  ihre  Aufgabe  gelöst  hatten,  nach  ein  bis  zwei  Jahren
wieder  ein.  Die  Königsberger,  welcher  der  hochverdiente  Feldherr
Graf  Bülow  von  Dennewitz  seine  ganze  Kriegsdotation  von  60  000  M.
schenkte,  bestand  bei  den  reichen  Mitteln  18  Jahre.  Aus  der  Breslauer
  Werkschule  entwickelte  sich  1819  die  noch  jetzt  bestehende
schlesische  Blinden-Unterrichtsanstalt,  zu  deren  Errichtung  der
dort  weilende  blinde  Student  Knie,  der  bedeutendste  Schüler  Zeunes
(1809—14),  bereits  1817  einen  wirkungsvollen  Aufruf  erlassen  hatte.
Es  bildete  sich  ein  Verein,  der  den  Plan  verwirklichte  und  den
24jährigen  blinden  Knie,  welcher  sich  schon  an  einer  höheren  Breslauer
  Schule  bewährt  hatte,  als  Oberlehrer  die  unterrichtliche  Leitung
der  Anstalt  übertrug.  Er  entfaltete  in  dieser  Stellung  eine  reichgesegnete
  Tätigkeit  und  unternahm  im  Jahre  1835  ohne  jede  Begleitung
  eine  von  ihm  eingehend  beschriebene  dreimonatige  pädagogische
Reise  durch  Deutschland.  Im  übriren  aber  kam  man  im  ersten