394  Taubstummen-  und  Blindenunterricht.

Sie  haben  mit  der  nächstgelegenen  fremden  Blindenanstalt  ein  Abkommen
  getroffen,  nach  welchem  die  betreffenden  Blinden  dort  Aufnahme
  finden.  Bremen  gibt  die  blinden  Kinder  jedoch  nur  bis  zur
Konfirmation  nach  Hannover  und  übernimmt  die  gewerbliche  Ausbildung
  selber.  Die  1887  gegründete  Blindenanstalt  in  Hildburghausen
iSachsen-Meiningen)  ging  nach  sechsjährigem  Bestehen  aus  Mangel
an  Zöglingen  wieder  ein.

Die  preußische  Staatsblindenanstalt  in  Berlin  erfuhr  eine  wesentliche
  Förderung  durch  das  ihr  1832  zugefallene  Vermächtnis  des
Zeune  befreundeten  Domherrn  von  Rothenburg  (260  000  M.),  der
in  der  Anstalt  Zuflucht  vor  der  Cholera  gesucht  und  gefunden  hatte.
—  Zeunes  Nachfolger  Hientzsch  betrieb  die  Gründung  eines  „Vereins
zur  Fürsorge  für  erwachsene  Blinde“,  der  seine  Tätigkeit  im  engsten
Anschluß  an  die  Königliche  Blindenanstalt  ausüben  sollte  und  auch
eine  Beschäftigungsanstalt  für  erwachsene  Blinde  1852  einrichtete.
leider  löste  sich  der  Verein  später  von  der  Königlichen  Blindenanstalt
  völlig  los  und  hat  in  der  von  Hientzsch  verfolgten  Richtung
bis  heute  trotz  seiner  günstigen  Vermögenslage  nur  eine  bescheidene
Wirksamkeit  zu  verzeichnen.  —  Als  das  aus  den  Mitteln  der  von
Rothenburg-Stiftung  erworbene  Haus  Wilhelmstr.  139  den  Zwecken
der  Blindenbildung  nicht  mehr  genügte,  erfolgte  endlich  1877  die
Verlegung  der  Königlichen  Blindenanstalt  nach  dem  eine
Meile  entfernten  Vororte  Steglitz.  Dort  erhielt  sie  ein  weites  freundliches
  Gelände,  das  auch  allen  gesundheitlichen  Anforderungen  entsprach.
  Dort  verdreifachte  sich  in  25  Jahren  die  Zahl  der  Zöglinge,
indem  sie  von  40  auf  120  stieg.  In  engster  Verbindung  mit  ihr
bildete  sich  1886  der  „Verein  zur  Beförderung  der  wirtschaftlichen
Selbständigkeit  der  Blinden“,  der  bald  zwei  Heimstätten  für  arbeitsfähige
  ehemalige  Zöglinge  an  der  Grenze  des  AÄnstaltsgebietes  erbaute.


Die  Stadt  Berlin  aber  schuf  infolge  der  Verlegung  der  vorgenannten
  Anstalt  1878  eine  eigne  Blindenschule,  mit  welcher
später  auch  Werkstätten  verbunden  wurden,  in  denen  neben  blinden
l.chrlingen  auch  Ausgelernte  gesren  Lohnzahluug  arbeiten.  Diese
Anstalt  ist  ein  völliges  Externat,  das  einzige  für  Blinde  in  Deutschland.
  Die  Führung  der  Zöglinge  zur  Anstalt  und  zurück  wird  von
Waisenkindern,  deren  Unterkunfthaus  in  nächster  Nähe  liegt,  übernommen.


5.  Äußere  Stellung  der  Anstalten  und  weitere  Ausgestaltung.
  Die  meisten  deutschen  Blindenanstalten  verdanken  ihr