Das  Blindenunterrichtswesen  im  Deutschen  Reich.  401

schen  Punktschrift  nach  Vornahme  der  notwendigsten  Abänderungen,
Beseitigung  der  Musik  als  Hauptfach  und  äußerste  Einschränkung
derselben  als  Erwerbsmittel,  Erweiterung  und  Vertiefung  der  handwerksmäßigen
  Ausbildung  mit  besonderer  Berücksichtigung  der  weiblichen
  Zöglinge,  Schaffung  von  Uhnterstützungsfonds  für  arbeitende
Entlassene  —  das  sind  die  dort  erhobenen  Forderungen  und  erteilten
Ratschläge.  Die  brennenden  Fragen  wurden  weiter  erörtert,  geklärt
und  mit  vereinten  Kräften  allmählich  in  die  Tat  umgesetzt.

Bei  Gelegenheit  des  zweiten  Kongresses  —  1876  —  kam  es  zur
Gründung  des  „Vereins  zur  Förderung  der  Blindenbildung,“
der  seiner  Aufgabe,  allen  Blinden  deutscher  Zunge  billige,  gute
Lehrmittel,  namentlich  Hochdruckschriften  und  geographische  Karten
zu  schaffen,  eifrig  nachgekommen  ist  und  von  den  meisten  deutschen
Staaten  und  vielen  Städten  durch  namhafte  laufende  Beiträge  zur
Fortsetzung  und  Erweiterung  seines  Werkes  gestärkt  wird.  Sein
Organ  und  das  der  Blindenanstalten  und  Blindenlehrer-Kongresse
wurde  die  1881  von  Direktor  Mecker  in  Düren  begründete  unabhängige
  Fachzeitschrift  „Der  Blindenfreund‘“.

Der  Berliner  Kongreß  1879  löste  die  Punktschriftfrage  endgültig
zugunsten  der  Brailleschrift,  die  nun  ihren  Siegeszug  durch  die
deutschen  Blindenanstalten  nahm.  Ihr  folgte  später  die  auf  demselben
Prinzip  beruhende  Kurzschrift  nach  der  abgeänderten  Kron-Mohrschen
  Vorlage,  wenn  auch  nicht  als  Herrscherin,  so  doch  als  dienendes
  Glied  (1891/94).  Ebenso  gelangte  das  Braillesche  Musikschrift-System
  nach  einer  Vorlage  von  Brandtstäter-Königsberg,  Franz-Berlin
  (blind)  und  Meyer-Steglitz  zur  Annahme  (1888/98).

Direktor  Kunz-Illzach  lieferte  nach  den  Angaben  des  „Vereins
zur  Förderung  der  Blindenbildung‘  einen  von  diesem  herausgegebenen,
allgemein  als  vorzüglich  anerkannten  Atlas  von  81  Reliefkarten  aus
Papier  für  die  Hand  der  Zöglinge.  Der  Verein,  der  alle  Lehrmittel
zu  zwei  Drittel  der  Selbstkosten  abgibt,  verkauft  die  einzelne  Karte
für  20  Pf.  Mehrere  derselben  werden  auch  im  Auslande  benutzt.

Hinsichtlich  des  Bücherdrucks  traten  dem  Verein  in  neuerer
Zeit  mehrere  Blindenanstalten  und  die  britische  und  ausländische
Bibelgesellschaft  an  die  Seite.  Letztere  ließ  in  den  Anstalten  zu
Steglitz  und  Stuttgart  das  neue  Testament  und  die  Psalmen  in
Brailleschem  Punktdruck  durch  Blinde  herstellen  (abgeschlossen  1903).

Zur  Vergrößerung  der  Anstaltsbibliotheken  trugen  seit  1886
Hunderte  deutscher  Frauen  und  Jungfrauen,  darunter  Fürstinnen
und  Prinzessinnen,  in  unermüdlicher  Liebesarbeit  bei,  indem  sie

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