Das  Blindenunterrichtswesen  im  Deutschen  Reich.  497

noch  Punktschriftbücher  heraus:  „Der  Verein  zu  Beschaffung  von
Hochdruckschriften  für  Blinde“  in  Leipzig,  „Der  Rheinische  Blinden-Fürsorge-Verein“
  in  Düren,  „Der  Verein  deutsch-redender  Blinden“  in
Potsdam,  die  Blindenanstalten  in  Steglitz,  Berlin,  Stuttgart,  Illzach
und  andere.

Dazu  kommen  die  Bücherschätze  aus  dem  Bereich  der  Volksund
  Jugendschriften,  welche  die  Anstalten  der  vielsagenden  „Handarbeit“
  von  Blindenfreunden  verdanken,  sodaß  an  manchen
Stellen  jeder  Zögling  nicht  nur  seine  eigenen  Schulbücher  hat,  sondern
sich  aus  der  Anstaltsbibliothek  auch  Unterhaltungs-  und  Bildungsstoff
für  freie  Stunden  holen  kann.  Die  in  den  Büchereien  der  deutschen
Blindenanstalten  vorhandenen  Werke  in  Punktschrift  umfassen  zurzeit
etwa  26000  Bände,  wovon  allein  fast  6000  auf  Steglitz  kommen;
dort  findet  sich  die  größte  Blindenanstalts-Bibliothek  in  Deutschland.

Im  Königreich  Preußen  erhält  jeder  Zögling  beim  Austritt  aus
der  Blindenanstalt  auf  Staatskosten  ein  Erbauungsbuch  als  Mitgabe
fürs  Leben:  die  evangelischen  eine  Auswahl  von  Kirchenliedern,  die
katholischen  ein  Gebetbuch  mit  dem  Titel  „Der  Herr  ist  mein  Licht“.

27.  Leihbibliotheken.  Mit  dem  allen  gewinnen  Schrift  und
Druck  für  die  Blinden  erst  ihren  vollen  Wert  und  Segen,  der  weit
über  die  Ausbildungszeit  hinausreicht.  Die  Anstaltsbibliotheken  versorgen
  auch  die  Entlassenen  mit  geistiger  Nahrung,  indem  sie  ihnen
unentgeltlich  Hochdruckbücher  leihen  oder  eigene  Zeitschriften  an
sie  versenden.

Außerdem  bestehen  noch  selbständige  Leihbibliotheken
für  Blinde  in  Frankfurt  a/M.  unter  Verwaltung  des  Dr.  Hohenemser
und  in  Leipzig  als  Einrichtung  des  vorgenannten  „Vereins  zur  Beschafflung
  von  Hochdruckschriften“.  In  der  Bildung  begriffen  ist  eine
Zentralleihbibliothek  für  die  Blinden  von  ganz  Deutschland  mit  dem
Mittelpunkt  in  Hamburg  unter  dem  Protektorat  Herzog  Karl  Theodors
von  Bayern,  des  berühmten  Augenarztes  aus  fürstlichem  Geschlecht.

28.  Die  Pflege  des  Anschauungsunterrichtes.  Diesem
Streben,  die  Blinden  in  immer  reicherem  Maße  an  den  Geistesschätzen
  der  Nation  teilnehmen  zu  lassen,  tritt  das  ernste  Bemühen
an  die  Seite,  sie  durch  einen  ausgedehnten  und  lebensvollen  Betrieb
des  Anschauungsunterrichtes  mit  den  Dingen  und  Vorgängen
der  äußeren  Welt  bekannt  und  vertraut  zu  machen.  Deshalb  arbeitet
man  unausgesetzt  an  der  Vergrößerung  und  Verbesserung  der  Sanınılungen
  von  Natur-  und  Kunstgegenständen  und  deren  Modellen  und