4)8  Taubstummen-  und  Blindenunterricht.

führt  die  Zöglinge  auch  dahin,  wo  die  Dinge  im  Natur-  und  Menschenleben
  auftreten  und  ihre  gegenseitige  Beziehung  zu  beobachten  ist.

Daß  ein  solches  Verfahren  auch  dem  Unterricht  in  Natur-  und
Erdkunde,  selbst  in  Geschichte  und  Religion  zugute  kommt,  liegt  auf
der  Hand.

29.  Lehrmittel  für  die  übrigen  Fächer.  Mannigfaltig  sind
die  Lehrmittel  für  die  Naturkunde:  Ausgestopfte  Tiere  oder  gute
Modelle,  künstliche  Pflanzen  und  vergrößerte  Blüten  zur  Betrachtung
ihrer  feineren  Teile  für  die  tastenden  Finger,  Schulgärten  mit  Beeten
für  die  einzelnen  Zöglinge  zur  Übung  in  der  Beobachtung  und  Pflege
der  Pflanzen,  zerlegbare  und  tastbare  Apparate  für  die  Naturlehre,
wie  z.  B.  Thermometer  und  Barometer,  Mühlenwerk  und  Dampfmaschine.


In  der  Erdkunde  werden  außer  den  Kunzeschen  Landkarten
eroße  Modelle  zur  Gewinnung  der  geographischen  Grundbegriffe  und
verschiedenartige  Reliefgloben  benutzt,  darunter  als  neuester  der  nach
den  Angaben  der  Steglitzer  Anstalt  von  einer  Berliner  Firma  angefertigte
  Globus.  Für  die  mathematische  Geographie  leistet  ein
nach  Vorschrift  des  blinden  Blindenanstaltsdirektors  Schleußner  (Nürnberg)
  hergestelltes  Tellurium  besonders  gute  Dienste.

Im  Rechenunterricht  wird,  wo  man  sich  nicht  auf  Kopfrechnen
  beschränkt,  die  englische  Rechentafel  von  Taylor  bevorzugt,
bei  der  sämtliche  Ziffern  und  Rechnungszeichen  in  den  achteckigen
Formen  der  Platte  nur  durch  die  verschiedene  Stellung  der  an  dem
einen  Ende  mit  einem  Strich,  an  dem  anderen  mit  zwei  Punkten
versehenen  Stifte  dargestellt  werden.

In  der  Raumlehre  fehlt  es  nicht  an  geometrischen  Körpern,
die,  soweit  nötig,  zerlegbar  sind;  und  neben  der  unübertrefflichen
Heboldschen  Scheibe  wird  auch  das  Mohrsche  Figurenheft  erfolgreich
benutzt.

30.  Musikunterricht.  Für  den  Musikunterricht,  der  sich
auf  Gesang,  Orgel,  Klavier,  Geige  und  Blasinstrumente  erstreckt,
bildet  die  Braillesche  Musikschrift  mit  den  in  ihr  erschienenen
Kompositionen  ein  hervorragendes  Hilfsmittel,  das  den  Blinden  befähigt,
  die  Musik  nicht  nur  nach  dem  Gehör  zu  treiben,  sondern
gründlich  zu  studieren.  Jedoch  wird  diese  Schrift,  die  schon  musiktheoretische
  Kenntnisse  voraussetzt  und  schwierig  zu  erlernen  ist,
nicht  in  allen  Anstalten  gelehrt.  Am  meisten  Anwendung  findet  sie
bei  dem  Unterricht  in  der  Instrumentalmusik,  weniger  beim  Gesange,
da  zu  diesem  alle  stimmbegabten  Zöglinge  herangezogen  werden,  die