430  Taubstummen-  und  Blindenunterricht.

Arbeitslust  begünstigenden  Gebrauch  machen.  Man  läßt  die  Kleinen
sich  vergnügen  mit  Säbel  und  Gewehr,  Hacke  und  Spaten,  Wagen
und  Schlitten,  Puppen  und  Kochgeschirr,  regt  sie  namentlich  an
Winterabenden  zu  Spielen  an  wie  Dame  und  Mühle,  Domino  und
Schach  (die  Direktor  Kull-Berlin  in  reicher  Auswahl  und  praktischer
Form  liefert)  und  verwehrt  den  erwachsenen  Zöglingen  das  Kartenspiel
  ohne  Einsatz  ebenso  wenig,  wie  das  zeitlich  und  räumlich  beschränkte
  Tabakrauchen.

Begierig  greifen  die  geistig  angeregten  Schützlinge  auch  nach
den  Büchern  zu  stiller  Unterhaltung,  und  gern  finden  sie  sich  zu  den
Vorlesestunden  ein,  die  keine  Anstalt  missen  möchte.  An  Sonnund
  Feiertagen  aber  finden  zuweilen  musikalische  Unterhaltungen,
auch  wohl  kleine  dramatische  Vorträge  oder  Aufführungen  zur  Freude
von  klein  und  groß  im  Kreise  der  Hausgenossen  statt.

Bei  solchen  Gelegenheiten  treten  auch  die  konfirmierten  männlichen
  und  weiblichen  Zöglinge  einander  näher.  Einige  Anstalten
gehen  noch  weiter  und  erteilen  ihnen  Tanzunterricht  und  lassen
die  erwachsenen  männlichen  und  weiblichen  Zöglinge  bei  festlichen
Anlässen  und  an  Uhnterhaltungsabenden  unter  Aufsicht  der  Lehrer
miteinander  tanzen,  damit  sie  sich  an  einen  schicklichen  Verkehr  und
an  gefällige  Bewegungen  gewöhnen.  Trotzdem  versichert  wird,  daß
diese  Einrichtung  bisher  zu  keinen  Unzuträglichkeiten  geführt  habe,
verhält  die  Mehrzahl  der  Anstalten  sich  doch  ablehnend  dagegen.

Die  Verbindung  mit  dem  Elternhause  wird  durch  Austausch
von  Briefen,  durch  Besuche  der  Angehörigen  in  der  Anstalt  und
F’erienreisen  der  Zöglinge  in  die  Heimat  aufrecht  erhalten.  Diese
wiederholten  Reisen,  bei  denen  die  Zöglinge  häufig  nur  bis  zum
Bahnhofe  Begleitung  haben,  sind  einerseits  ein  Mittel,  ihr  Selbstvertrauen
  und  ihre  Umsicht  zu  erhöhen,  andererseits  für  Verwandte
und  Bekannte  eine  Gelegenheit,  die  Fortschritte  des  Blinden  und  die
Leistung  der  Anstalt  kennen  und  würdigen  zu  lernen.

32.  Berufsbildung.  Schularbeit  und  Hausordnung  sind  nicht
Selbstzweck,  sondern  sollen  der  Berufsbildung  und  Lebensstellung
des  Blinden  den  Weg  bereiten.  Die  Berufsbildung,  die  im  vollen
Umfange  nach  der  Konfirmation  beginnt,  wird  in  den  meisten  Anstalten
durch  Schulfächer,  wie  das  Modellieren  und  Zeichnen,  in  einigen  noch
durch  den  Unterricht  in  Holzarbeiten  vorbereitet.  Daneben  erhalten
die  Zöglinge  schon  während  der  Schulzeit  Anleitung  zu  leichteren
Flechtarbeiten.

Die  gewerbliche  Ausbildung  —  darüber  besteht  jetzt  in  Deutschland