434  Taubstummen-  und  Blindenunterricht.

Leben  gerufen  und  läßt  dort  gleichzeitig  höchstens  fünf  junge  Volksschullehrer,
  die  die  zweite  Lehrerprüfung  bereits  bestanden  haben,
und  auch  Lehrerinnen  zu  diesem  Zwecke  zu.

Ferner  besteht  in  Steglitz  seit  1890  zur  Förderung  des  Studiums
der  Blindenbildung  ein  staatliches  Museum  für  Blindenunterricht
—  das  einzige  in  Deutschland  —,  für  dessen  Einrichtung,  Unterhaltung
  und  stete  Erweiterung  bis  jetzt  im  ganzen  29000  M.  aus
Staatsfonds  aufgewendet  sind.

39.  Werkmeister  und  Pfleger.  Die  gewerbliche  Ausbildung
der  Zöglinge  liegt  hauptsächlich  in  den  Händen  bewährter  sehender
Handwerksmeister.  Als  Werkgehilfen  werden  vereinzelt  auch
tüchtige  Blinde  herangezogen,  über  deren  Leistungen  nur  Rühmliches
verlautet.

Pfleger  und  Pflegerinnen,  zum  teil  auch  Diakonissinnen  und
Ordensschwestern  schließen  den  Kreis  der  Mitarbeiter  als  Hüter  und
Ordner  der  Blindenschar  in  Zuspruch,  Mahnung  und  Handreichung
bei  Tag  und  Nacht.

40.  Die  Fürsorge  für  Entlassene.  Gelingt  es  so  in  vereinter
  hingebender  Arbeit  unter  dem  Sonnenschein  göttlichen  Segens,
daß  die  Zöglinge  mit  hellem  Kopf  und  festem  Herzen,  geschickter
Hand  und  sicherm  Fuß  in  das  Leben  hinaustreten,  so  halten  die
Blindenanstalten  ihre  Aufgabe  damit  noch  keineswegs  für  gelöst.
Vielmehr  betrachtet  es  jede  Anstalt  als  eine  unabweisbare  hohe
Pflicht,  den  Entlassenen  eine  Beruf  und  Leben  umspannende  weise,
väterliche  Fürsorge  zuzuwenden,  die  erst  eine  dauernde  beglückende
Frucht  der  Arbeit  an  den  Blinden  zeitigt.  Diese  Fürsorge  soll  ihnen
keine  Gaben  in  den  Schoß  werfen,  kein  Ruhepolster  für  die  Bequemlichkeit
  bieten,  sondern  nur  die  Dornen  und  Steine  aus  dem  Wege
räumen  und  solche  Hilfe  gewähren,  die  sie  zur  Verwertung  ihrer  Erwerbskraft
  leitet,  daß  sie  den  Kampf  ums  Dasein  freudig  und  siegreich
  führen  und  so  zu  einem  durch  Arbeitstreue  und  Arbeitserfolg
gesegneten  Leben  gelangen.  Denn  Arbeitsfähigkeit  und  Arbeitsgelegenheit,
  Gemeinschaftsbedürfnis  und  Gemeinschaftsleben
sind  oft  durch  eine  weite,  tiefe  Kluft  getrennt;  und  diese  gerade  will
die  Fürsorge  überbrücken  und  ausfüllen.

Entweder  wird  die  Fürsorge  von  der  Anstalt  allein  oder  in  Gemeinschaft
  mit  einem  Fürsorgeverein  ausgeübt,  dessen  geborener  Geschäftsführer
  der  jeweilige  Anstaltsdirektor  ist.

Fest  steht  das  Ziel  der  Fürsorge:  Arbeitsglück  und  Feierabendfrieden
  zu  schafien;  wechselnd  und  mannigfaltig,  den  Umständen  und