Das  Blindenunterrichtswesen  im  Deutschen  Reich.  439

gründungen  sind,  bewahıt  die  gesammelten  wie  die  zerstreuten  Schützlinge
  auch  in  ihrem  Alter  vor  dem  Bettelstab  und  den  Armenhäusern
und  läßt  über  ihnen  das  Verheißungswort  leuchten:  „Um  den  Abend
wird  es  licht  sein!“

46.  Konfessionelles.  Selbstverständlich  wird  dafür  gesorgt,
daß  auch  das  Licht  der  ewigen  Wahrheit  und  göttlichen  Trostes  auf
ihren  Lebensweg  fällt  und  in  ihr  Herz  scheint;  aber  eine  konfessionelle
  Scheidung  findet  nur  während  der  Ausbildungszeit  und
nur  in  der  schon  erwähnten  beschränkten  Weise  statt.

Wo  die  Zöglinge  verschiedenen  Konfessionen  angehören,  waltet
doch  der  Geist  einträchtigen  Verkehrs  und  Wirkens.  In  den  Heimen
und  Feierabendhäusern  sind  Protestanten  und  Katholiken  in  der
Regel  beieinander,  ohne  daß  bis  jetzt  erhebliche  Unzuträglichkeiten
dadurch  entstanden  wären.

47.  Statistisches.  Werfen  wir  nun  zum  Schluß  noch  einen  Blick
auf  die  Verbreitung  und  die  Ursachen  der  Blindheit  in  Preußen
und  Deutschland  und  auf  die  Verhältnisse  der  Blinden  im  allgemeinen,
um  Soll  und  Haben  der  Blindenbildung  und  Blindenfürsorge  mit
einander  zu  vergleichen  und  die  Losung  für  die  Zukunft  zu  erkennen!

Zeune,  der  Vater  des  deutschen  Blindenwesens,  ist  auch  der
Begründer  der  Blindenstatistik.  Wie  er  den  Anstoß  dazu
gegeben,  sagt  er  in  folgenden  Worten:  „Im  Jahre  1830  bat  ich
das  statistische  Bureau  in  Berlin,  bei  den  dreijährigen  Volkszählungen
  auf  die  Blinden  Rücksicht  zu  nehmen.“  Dies  geschah  und
führte  für  das  Königreich  Preußen  zu  folgendem  Ergebnis.  Das  Verhältnis
  der  Blinden  zu  den  Sehenden  war  1831  gleich  1:1415,  1834
gleich  1:1410,  1837  gleich  1:1370,  also  eine  fortgesetzte  Zunahme
der  Blinden,  darunter  ein  Anwachsen  der  Früh-Erblindeten  bis  zum
15.  Lebensjahre:  1831  gleich  1/11,  1837  gleich  1/10.

Die  letzten  4  in  Preußen  durchgeführten  Blindenzählungen  entrollen
  ein  völlig  anderes  Bild;  denn  sie  machen  einen  fortgesetzten
Rückgang  der  Blindheit  ersichtlich.

Es  waren  nämlich  in  Preußen  Blinde  vorhanden:

männlich  weiblich  zusammen  unter  je  100000  Einwohnern  .
1871...  0.0.  110066  11912  22978  93
1880...  0.  11243  11334  22677  8.3
1895...  0.  13838  10204  21442  67
10  .  2...  11168  10403  21571*)  62

*)  Davon  215  zugleich  tautstumm.