Das  Blindenunterrichtswesen  im  Deutschen  Reich.  441

Über  die  naheliegende  Frage  nach  der  Art  und  Verbreitung
der  Erblindungsursachen  in  Deutschland  hat  Professor  Magnus
in  Breslau  die  umfassendsten  Forschungen  angestellt,  deren  Ergebnisse
in  seinem  1883  erschienenen  Werke  über  die  Blindheit  veröffentlicht
sind.  Die  betreffenden  Angaben  gründen  sich  auf  die  Untersuchung
von  2528  Fällen  doppelseitiger  Blindheit  in  den  verschiedensten
Gegenden  Deutschlands  und  bieten  vorstehendes  Bild.

Ähnliche  Untersuchungen  hat  in  der  neuesten  Zeit  Professor
H.  Cohn  in  Breslau  angestellt,  dessen  Tabellen  sehr  beachtenswerte
Aufschlüsse  über  Verhütung  und  Rückgang  der  Blindheit  gewähren.

48.  Schluß.  Alles  in  allem  genommen,  ergibt  sich  aus  diesen
Übersichten  für  unsere  Betrachtung  besonders  ein  Doppeltes:  Viele
Zöglinge  der  deutschen  Blindenanstalten  hätten  vor  dem  Verlust
des  Augenlichts  geschützt  werden  können,  und  viele  Volksgenossen,
denen  die  Gabe  des  Gesichts  versagt  oder  entzogen  ist  und  die  im
bildungsfähigen  Alter  von  5—20  Jahren  und  darüber  stehen  —
wenigstens  wohl  1000  —  ventbehren  zur  Zeit  noch  einer  geeigneten
Ausbildung.

Aber  die  Schutzherren  und  Vorkämpfer  der  deutschen  Blindenbildung
  ‘und  alle,  die  berufen  und  gewürdigt  sind,  an  diesem  heiligen
\Werke  der  Erlösung  und  Befreiung  aus  Nacht  und  Not  mitzuarbeiten,
haben  das  stärkende  Bewußtsein,  auf  einem  \Wege  zu  wandeln,  der
sie  dem  klar  erkannten  Ziele  von  Jahr  zu  Jahr  näher  bringt.

J.  Matthies.