Einleitung.

Die  Lebensbedingungen  der  Bevölkerung  unserer  größeren
Städte  haben  eine  Reihe  von  Verhältnissen  geschaffen,  welche  auf
die  leibliche  und  geistige  Entwicklung  der  heranwachsenden  Jugend
nachteilig  einwirken  müssen.  Die  engen,  unfreundlichen  Familienwohnungen
  des  arbeitenden  Volkes,  der  Mangel  an  frischer  Luft  und
geeigneter  Gelegenheit  zum  Spiel  im  Freien,  dürftige  Ernährung  und
Kleidung,  Unsauberkeit  und  ungenügender  Schutz  gegen  die  Unbilden
der  Witterung  besonders  im  Winter,  in  vielen  Fällen  auch  unzureichende
  Beaufsichtigung  oder  gewerbliche  Ausbeutung  der  Kinder
in  der  schulfreien  Zeit,  die  Versuchungen  der  Straße,  das  schlechte
Beispiel  der  Eltern  und  schlechte  Gesellschaft  haben  in  volkreichen
Städten  von  jeher  eine  große  Anzahl  von  Kindern  der  leiblichen  und
sittlichen  Verwahrlosung  preisgegeben.  Die  Volksschule  als  solche
ist  nicht  in  der  Lage,  allen  diesen  schädlichen  Einflüssen  mit  Erfolg
entgegenzuarbeiten;  sie  bedarf,  um  ihr  segensreiches  Werk  zu
vollenden,  der  Unterstützung  durch  das  Elternhaus  und  des  Beistandes
opferwilliger  Menschenfreunde,  welche  bereit  sind,  sich  der  leiblich
und  sittlich  gefährdeten  Kinder  anzunehmen.  Solche  edeldenkenden
Männer  und  Frauen  haben  sich  in  allen  deutschen  Städten  in  großer
Zahl  gefunden,  und  fast  überall  sind  durch  sie  Veranstaltungen  getroffen
  worden,  um  die  erziehliche  Aufgabe  der  Volksschule  zu  unterstützen
  und  zu  ergänzen.  Wenn  diese  Wohltäter  es  als  ihre  Aufgabe
erkannten,  Übelständen  entgegenzutreten,  welche  sich  aus  den  großstädtischen
  Lebensbedingungen  für  die  Kinder  des  Volkes  ergeben,
so  rief  der  in  der  Großstadt  mit  besonderer  Deutlichkeit  zutage
tretende  wirtschaftliche  Wettbewerb  und  die  Notwendigkeit,  die
heranwachsende  Generation  selbst  in  ihren  schwächsten  Gliedern  im
Kampfe  um  ihre  Existenz  möglichst  früh  und  möglichst  vollkommen
den  Bedürfnissen  der  Zeit  anzupassen,  sie  erwerbsfähig,  sie  körperlich
und  geistig  konkurrenzfähig  zu  machen,  andere  Einrichtungen  ins

Das  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich.  Ill.  Anhang.  1