Ergänzungen  und  Erweiterungen  des  Unterrichts  der  Volksschule.  Re)

Viele  Wenig  machen  aber  ein  Viel,  und  so  beläuft  sich  denn  auch
die  Gesamtsumme  aller  der  auf  diese  Weise  dem  Wohle  der  heranwachsenden
  deutschen  Jugend  freiwillig  dargebrachten  Opfer  auf  viele
Millionen.  Es  ist  aber  noch  eins  dabei  im  Auge  zu  behalten,  nämlich
daß  diese  Millionen  nicht  die  wertvollste  Gabe  sind,  die  deutsche
Männer  und  Frauen  den  Kindern  der  Volksschule  darbringen;  diese
wertvollste  Gabe  ist  die  Fülle  von  Liebe  und  Barmherzigkeit,  von
unermüdlicher  Arbeit  und  freiwilliger  Fürsorge,  welche  von  Männern
und  Frauen  und  in  erster  Linie  von  den  deutschen  Lehrern  und
Lehrerinnen  den  Kindern  gewidmet  wird,  ein  Schatz,  der  hienieden
für  Gold  oder  Silber  nicht  zu  erkaufen  ist.

1.  Ergänzungen  und  Erweiterungen  des  Unterrichts  der
Volksschule.

A.  Für  geistig  oder  leiblich  anormale  Kinder.

a)  Die  Hilfsschulen  (Hilfs--  oder  Nebenklassen)  für
schwachbefähigte  (schwachsinnige)  Kinder.  Solange  die  allgemeine
  Schulpflicht  besteht,  hat  es  stets,  sowohl  in  den  höheren
Schulen  wie  ganz  besonders  in  den  Volksschulen,  Kinder  gegeben,
die  sogleich  in.  den  untersten  Klassen  trotz  aller  auf  sie  verwendeten
Mühe  und  Sorgfalt,  trotz  aller  Nachhilfestunden,  trotz  des  augenscheinlich
  vorhandenen  guten  Willens  der  Kinder  selbst  nicht  imstande
waren,  mit  dem  Durchschnitt  ihrer  Klassengenossen  gleichen  Schritt
zu  halten.  Die  höheren  Schulen  waren  in  der  Lage,  diesen  Ballast
von  Minderbefähigten  alsbald  auszuscheiden.  Die  Ausgeschiedenen
gingen  entweder  in  private  Erziehungsanstalten  über  oder  fielen  der
Volksschule  zu.  Aber  diese  hatte  unter  ganz  denselben  Beschwerden
zu  leiden.  Auch  in  ihren  untersten  Abteilungen  fand  sich  stets  ein
Bodensatz  von  solchen  Kindern  vor,  die  augenscheinlich  nicht  die
Kraft  besaßen,  sich  auch  nur  das  bescheidene  Maß  der  für  die  Unterstufe
  der  Volksschule  erforderlichen  Kenntnisse  anzueignen.  Bei  der
im  allgemeinen  starken  Besetzung  der  untersten  Volksschulklassen
war  es  dem  Lehrer  hier  noch  viel  weniger  als  in  der  höheren  Schule
möglich,  sich  mit  der  Individualität  dieser  Kinder  eingehender  zu  beschäftigen.
  Die  Schwachsinnigen  bildeten  einen  Ballast,  den  auch
die  geschickteste  Pädagogik  vorwärts  zu  bringen  nicht  imstande  war,
und  nicht  selten  brachten  diese  unglücklichen  Kinder,  außer  acht  gelassen
  von  ihrem  Lehrer,  gehänselt  von  ihren  kleineren,  aber  geistig
regeren  Mitschülern,  in  trägem  Stumpfsinn  ihre  gesamte  Schulzeit  in