Ergänzungen  und  Erweiterungen  des  Unterrichts  der  Volksschule.  13

Die  Vertreter  der  deutschen  Hilfsschulen  haben  sich  zu  einem
Verbande  der  Hilfsschulen  Deutschlands  vereinigt.  Sie  halten  alle
zwei  Jahre  einen  Verbandstag  ab  und  geben  über  die  erfolgten  Verhandlungen
  sowie  über  den  jeweiligen  Stand  des  Hilfsschulwesens
statistische  Übersichten  heraus.  Der  Verband  setzt  sich  als  Aufgabe
„Verbreitung  der  Hilfsschulen,  weiteren  Ausbau  der  Hilfsschulpädagogik
  und  der  in  ihren  Bereich  fallenden  Wissenschaften,  sowie
soziale  Fürsorge  für  die  der  Hilfsschule  überwiesenen  Kinder  während
und  nach  der  Schulzeit.“  ($  1  der  auf  dem  Verbandstage  in  Mainz
im  April  1903  angenommenen  neuen  Fassung  der  Satzungen.)  Der
Vorsitzende  des  Verbandes  ist  der  Stadtschulrat  Dr.  Wehrhahn  in
Hannover.

Auch  die  „Konferenzen  für  Idiotenpflege  und  Schulen  für
schwachbefähigte  Kinder‘  bieten  den  Hilfsschullehrern  und  Lehrerinnen
reiche  Anregung  und  Belehrung.  Der  Vorsitzende  des  Vorstandes
ist  der  Erziehungsinspektor  Piper  an  der  Idiotenanstalt  in  Dalldorf
bei  Berlin.

b)  Die  Sprachheilkurse  für  Kinder  der  Volksschule  sind  seit
den  achtziger  Jahren  des  19.  Jahrhunderts  in  Deutschland  in  einer
großen  Anzahl  von  Städten  eingerichtet  worden.  In  Preußen  hat
sich  der  Minister  der  geistlichen,  Unterrichts-  und  Medizinal-Angelegenheiten
  von  Goßler  besonders  für  diese  segensreiche  Einrichtung
interessiert.  Eine  Verfügung  der  Regierung  in  Breslau  vom  2.  Januar
1890  charakterisiert  den  Standpunkt,  welchen  das  Ministerium  diesem
Unterrichtszweige  gegenüber  einnahm:

„Mit  dankenswerter  Fürsorge  hat  die  Schuldeputation  der  Stadt
Breslau  schon  im  Jahre  1886  die  Aufmerksamkeit  diesem  Übel  zugewendet
  und  seit  1887  bereits  Kurse  für  stotternde  Kinder  eingerichtet,
welche  seitdem  von  Lehrern  der  städtischen  Volksschulen,  welche
sich  für  die  günstige  Lösung  der  auf  diesem  “Gebiete  liegenden
schwierigen  Aufgaben  die  erforderliche  Tüchtigkeit  angeeignet  haben,
geleitet  werden.  Im  laufenden  Jahre  1889  wurden  gleichzeitig  5  Kurse
je  mit  der  Höchstzahl  von  15  Kindern  auf  die  Dauer  von  einem
halben  Jahre  mit  wöchentlich  4  (2&gt;&lt;2)  Stunden  abgehalten.  Hiervon
aber  abgesehen,  ist  an  keinem  anderen  Orte  des  Bezirkes  irgend
welche  Einrichtung  zur  Beseitigung  dieses  Übels  getroffen  worden.
Es  ist  aber  hinlänglich  bekannt,  daß  das  Stottern  nicht  nur  ein
lästiges  und  den  daran  Leidenden  bedrückendes  Übel  ist,  sondern
auch  die  bürgerliche  Brauchbarkeit  desselben  empfindlich  schädigt,
und  es  erscheint  darum  als  eine  nicht  zu  umgehende  Pflicht,  daß