Ergänzungen  und  Erweiterungen  des  Unterrichts  der  Volksschule.  15

amtlicher  Bericht  über  die  in  Kiel  eingerichteten  Kurse  für  Stotterer
vom  20.  April  1901  seinen  Platz  finden:

„Die  hiesigen  städtischen  Unterrichtskurse  für  stotternde  und
stammelnde  Schulkinder  wurden  auf  Veranlassung  des  Herrn  Stadtschulrat
  Kuhlgatz  am  1.  Mai  1890  eröffnet.  Anfänglich  wurden
2  Kurse  im  Jahre  abgehalten,  so  daß  bei  täglich  einstündigem  Uhnterricht
  100—110  Stunden  auf  den  Kursus  entfielen.  Diese  halbjährigen
Kurse  erwiesen  sich  mit  der  Zeit  als  unzureichend,  da  neben  den
Atmungs-,  Stimmbildungs-  und  Artikulationsübungen  die  erziehliche
Einwirkung  auf  die  Stotterer  als  Hauptfaktor  nicht  genügend  berücksichtigt
  werden  konnte.  Seit  5  Jahren  beträgt  die  Kursusdauer  ein
volles  Jahr,  indem  im  Sommerhalbjahr  4  Wochenstunden,  im  Winterhalbjahr
  2  Stunden  für  Befestigung  und  Wiederholung,  also  im
ganzen  110—120  Unterrichtsstunden,  gehalten  werden.  Der  Unterricht
  liegt  außerhalb  der  Schulzeit,  nachmittags  5—6,  Mittwochs  und
Sonnabends  2—3.  Der  Besuch  ist  ziemlich  regelmäßig,  da  nur
solche  Schüler  in  erster  Linie  aufgenommen  werden,  deren  Eltern  für
regelmäßigen  Kursusbesuch  sich  schriftlich  verpflichteten.

Die  Frequenz  betrug  1890  10,  stieg  aber  nach  wenigen  Jahren  aut  20
und  erreichte  1895  infolge  des  Besuchs  der  Nichtgeheilten  und  Rückfälligen
  die  Zahl  25.  Während  dieser  Zeit  war  der  Besuch  am
ungünstigsten,  wohl  mit  aus  dem  Grunde,  weil  der  notwendige  Einzelunterricht
  zurücktreten  mußte.  Jetzt  beträgt  die  Frequenz  15,  und
es  steht  zu  erwarten,  daß  sie  allmählich  auf  den  normalen  Stand  von
10  herabsinkt.  Die  Aufnahme  neuer  Schüler  geschieht  in  der  Weise,
daß  der  Kursusleiter  ein  Verzeichnis  der  in  den  Schulen  befindlichen
Stotterer  und  Stammler  von  den  Rektoren  erbittet.

Von  den  erscheinenden  Kindern  werden  zunächst  diejenigen
berücksichtigt,  welche  regelmäßig  kommen  können  und  wollen.  Die
Untersuchung  des  sprachlichen  Zustandes  des  Kindes  und  seiner
Ursachen  ist  eine  der  wichtigsten  Aufgaben  des  Heillehrers.  Von  der
Genauigkeit  und  Zuverlässigkeit  hängt  der  Erfolg  wesentlich  ab.
Wenn  die  Kinder  ohne  Begleitung  ihrer  Eltern  erscheinen,  so  ist  es
notwendig,  daß  der  Lehrer  durch  taktvolle  Hausbesuche  die  Untersuchung
  vervollständigt  und  zugleich  den  Eltern  Anweisung  zur
Behandlung  des  Schülers  und  zur  Beaufsichtigung  seines  Sprechens
erteilt.

Ist  die  sogenannte  Individualliste  ausgefüllt,  wozu  sich  im  Laufe
des  Unterrichts  immer  noch  Gelegenheit  zu  Berichtigungen  und  Erweiterungen
  bietet,  so  kann  der  eigentliche  Unterricht,  etwa  in  der