Ergänzungen  und  Erweiterungen  des  Unterrichts  der  Volksschule.  23

fällige  Aufnahme,  welche  die  neue  Einrichtung  allgemein  in  Elternkreisen
  fand.  Viele  Mütter  erklärten  gegenüber  der  Lehrerin,  daß  sie
jetzt  von  ihren  Töchtern  lernten,  und  Väter  dankten  ihr  für  die  gute
Ausbildung  ihrer  Kinder,  die  jetzt  die  erkrankte  Mutter  vertreten  und
die  Küche  selbständig  besorgen  könnten.

Angesichts  dieses  günstigen  Erfolges  und  nachdem  sich  gezeigt
hatte,  daß  der  Haushaltungsunterricht  sich  ohne  Kürzung  der  sonstigen
Lehrstunden  in  den  Lehrplan  einfügen  lasse,  ohne  diesen  irgendwie
zu  stören,  daß  er  vielmehr  den  sonstigen  Unterricht  nach  mehreren
Richtungen  wirksamer  mache,  verstummte  der  besonders  von  pädagogischer
  Seite  erhobene  Widerspruch,  und  die  Gemeinde  entschloß
  sich,  für  die  Schülerinnen  der  Oberklassen  sämtlicher  Volksschulen
  Haushaltungsunterricht  als  freiwilligen  Lehrgegenstand  einzuführen.


Es  wurde  eine  zweite  Lehrküche  eingerichtet  und  eine  weitere
Lehrerin  angestellt,  sodaß  jetzt,  da  an  jedem  Nachmittag  in  der
Woche  unterrichtet  wird,  12  Abteilungen  mit  bis  25  Schülerinnen
während  des  ganzen  letzten  Schuljahres  einmal  wöchentlich  unterwiesen
  werden  können.

Die  finanziellen  Opfer,  welche  die  Stadt  für  die  Sache  zu  bringen
hat,  betragen  außer  den  für  die  Besoldung  der  beiden  Lehrerinnen,
für  Kohlen  und  Beleuchtung  aufzuwendenden  Beträgen  im  ganzen  jährlich
rund  2400  M.

Auch  in  Berlin  hat  sich  die  Entwicklung  ähnlich  vollzogen.  Die
Anregung  zum  Haushaltungsunterricht  ging  wie  in  Wiesbaden  von
einem  Verein  aus  (dem  Verein  für  das  Wohl  der  aus  der  Schule  entlassenen
  Jugend).  Zuerst  im  Jahre  1890  wurde  wie  dort  der  Versuch
gemacht,  Kochkurse  für  aus  der  Schule  tretende  Mädchen  der
Arbeiterklasse  einzurichten,  ein  Versuch,  der  bald  infolge  der
mangelnden  Beteiligung  aufgegeben  werden  mußte.  Dann  folgte  die
Einrichtung  der  Küchen  in  Schulhäusern,  Unterricht  für  Volksschülerinnen
  und  Angliederung  desselben  an  den  Lehrplan  der  Schule.
Nach  dem  letzten  Jahresbericht  von  1903  über  den  hauswirtschaftlichen
Unterricht  an  den  Berliner  Gemeinde-Mädchenschulen  gibt  es  hier
19  Kurse  mit  etwa  550  Schülerinnen  der  ersten  Klassen  von  22  Gemeinde-Mädchenschulen
  in  5  Schulküchen  mit  14  Lehrkräften  und
25  Gehilfinnen.  Die  Kosten  dieses  Unterrichts  beliefen  sich  in  dem
genannten  Verwaltungsjahre  auf  5461,12  M.  und  verteilten  sich  auf
folgende  Ausgaben: