Ergänzungen  und  Erweiterungen  des  Unterrichts  der  Volksschule.  25

Während  in  den  genannten  Städten  der  Haushaltungsunterricht
fakultativ  war  und  sich  schon  durch  die  Lage  seiner  Stunden  außerhalb
  der  Schulzeit  oder  durch  die  Verdrängung  des  eigentlichen
Schulunterrichts  an  einem  Wochentage  als  ein  fremdes  Element
kennzeichnet,  ist  er  in  gewissen  Gemeinden  als  obligatorischer  Unterrichtsgegenstand
  dem  Lehrplan  der  oberen  Mädchenklassen  der  Volksschule
  organisch  angegliedert.  Die  beschränkte  Zahl  der  vorhandenen
Küchen  setzt  der  allgemeinen  Einführung  in  alle  Mädchenvolksschulen
hier  und  da  eine  gewisse  Schranke,  in  anderen  Orten  ist  aber  die
Durchführung  des  obligatorischen  Haushaltungsunterrichts  für  alle
Schülerinnen  der  oberen  oder  obersten  Volksschulklassen  eine  vollendete
Tatsache.

In  dieser  Lage  befindet  sich  die  Stadt  Charlottenburg.  Nachdem
man  zu  Ostern  1900  versuchsweise  mit  der  Einführung  des  Haushaltungsunterrichtts
  an  4  Mädchen-Volksschulen  vorgegangen  war,
hat  man  seit  Ostern  1903  diesen  Unterricht  für  sämtliche  Mädchen-Volksschulen
  obligatorisch  durchgeführt.  Es  bestehen  z.  Z.  6  sehr
gut  eingerichtete  Küchen  mit  den  erforderlichen  Nebenräumen.  Die
Teilnahme  erstreckt  sich  auf  die  im  letzten  Schuljahre  stehenden
Mädchen  der  drei  obersten  Klassen.  Der  Unterricht  wird  von  wissenschaftlichen
  Lehrerinnen  erteilt,  welche  teilweise  in  von  der  Stadt
eingerichteten  Kursen  ausgebildet  worden  sind  und  die  Prüfung  für
Haushaltungslehrerinnen  bestanden  haben.*)

Als  eine  besondere  Gruppe  müssen  hier  auch  die  VIII.  Klassen
für  Mädchen,  welche  in  verschiedenen  bayerischen  Städten  wie
München,  Nürnberg  und  Augsburg  der  Werktagsschule  angegliedert
sind,  erwähnt  werden.  Wie  aus  dem  in  einem  früheren  Kapitel
bereits  angeführten  Stundenplan  der  Münchener  VIII.  Mädchenklassen
hervorgeht,  sind  dort  dem  Haushaltungsunterricht  &amp;  Wochenstunden
gewidmet.  Eine  Übersicht  über  die  theoretisch  und  praktisch  zu  behandelnden
  Gebiete  gibt  die  Lehrstofiverteilung  im  Verwaltungsbericht
  der  Stadt  München  von  1897;  eine  eingehende  (wohl  für
Lehrerinnen  berechnete)  Einführung  in  alle  Einzelgebiete  des  Haushaltungsunterrichts
  bieten  die  im  Auftrage  der  Schulbehörde  herausgegebenen
  Schriften  „Unterricht  in  derSchulküche  für  die  VIII.  Mädchenklassen“
  von  Lina  Patschoky  1897  und  „Kleidung  und  Wohnung“
von  Helene  Sumper  1897.

*)  Die  Prüfung  der  Lehrerinnen  für  Hauswirtschaftskunde  ist  in  Preußen  durch
einen  Ministerialerlaß  vom  11.  Januar  1902  eingehend  geregelt  worden.