28  Wohlfahrtseinrichtungen.

schen  Chemie,  der  Zoologie  und  Botanik  wird  in  einzelnen  Haushaltungsschulen
  entsprechend  dem  Stande  der  Kenntnisse,  den  man
bei  den  Schülerinnen  voraussetzen  darf,  näher  eingegangen,  im  allgemeinen
  werden  aber  die  praktischen  Erfordernisse  des  täglichen
Lebens  bei  allen  Belehrungen  in  den  Vordergrund  gerückt.  Der
Kochunterricht  und  alle  Verrichtungen,  welche  damit  in  direktem  Zusammenhange
  stehen,  bilden  in  allen  Haushaltungskursen  für  schulpflichtige
  Mädchen  die  Hauptaufgabe,  neben  welcher  die  übrigen
Arbeiten  der  Hausfrau  in  den  Hintergrund  treten.

Der  Verlauf  des  Unterrichts  ist  im  allgemeinen  demjenigen  ähnlich,
  welchen  uns  der  folgende  Bericht  der  Leiterin  eines  Haushaltungskursus
  in  Königsberg  i.  Pr.,  Frl.  Cederholm,  schildert:

„Beim  Beginn  eines  jeden  Unterrichtsmorgens  wird  die  Arbeit
des  Tages  verteilt,  das  Rezept  des  Gerichtes,  welches  gekocht  werden
soll,  und  welches  der  Jahreszeit  angemessen  ist,  an  die  Wandtafel  geschrieben.
  Die  Einnahme  (jeder  Tisch  erhält  1  M.,  mit  welcher  das
Kind,  welches  das  Amt  des  Geldverwaltens  hat,  wirtschaften  muß)
und  Ausgabe  werden  zusammengestellt.  Die  Kinder  schreiben  dies
in  ihre  Bücher.

Die  Einkäufe  des  Unterrichtsmaterials  werden  am  Morgen  des
Tages  auf  dem  Markte  von  Kindern  unter  Aufsicht  einer  Lehrerin
besorgt.  Der  praktische  Unterricht  wechselt  mit  dem  theoretischen
ab  und  zwar  so,  daß  der  erstere  am  meisten  berücksichtigt  wird.
Wenn  schon  bei  Bereitung  der  Speisen  nicht  das  feinste  Mehl  und
das  teuerste  Fett  verwandt  werden  kann,  so  muß  doch  desto  mehr
Fleiß  und  Aufmerksamkeit  den  Mangel  an  Zutaten  ersetzen.  Die
Kinder  sollen  gerade  lernen,  daß  man  das  einfachste  Gericht,  wenn
man  bei  der  Zubereitung  gehörig  acht  gibt  und  sich  keine  Mühe  verdrießen
  läßt,  wohlschmeckend  machen  kann.

Die  zubereiteten  Speisen  verzehren  die  Kinder  selbst,  und  es
ist  ihnen  immer  ein  wichtiger  Augenblick,  wenn  sie  sich  an  den
Tisch  setzen  dürfen.  Vor  und  nach  dem  Essen  wird  gebetet,  und
während  des  Essens  werden  sie  angehalten,  sich  guter  Manieren  zu
befleißigen.  Auch  werden  die  Kinder  daran  gewöhnt,  an  ihre  noch
ärmeren  Mitschülerinnen  zu  denken  und  ihnen  von  ihrem  Mahle  etwas

zukommen  zu  lassen.‘“*)
In  manchen  Orten  werden  die  Mahlzeiten  so  reichlich  ange-—

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*)  E.  Hollack  und  Fr.  'Iromnau,  Geschichte  des  Schulwesens  der  Kgl.  Hauptund
  Residenzstadt  Königsberg  i.Pr.  Königsberg  1899.  S.  682  1.