Ergänzungen  und  Erweiterungen  des  Unterrichts  der  Volksschule.  29

richtet,  daß  regelmäßig  eine  Anzahl  bedürftiger  Kinder  aus  den
Kinderhorten  damit  versorgt  werden  kann.

b)  Der  Handarbeitsunterricht  für  Knaben.  Der  gegenwärtig
  der  deutschen  Volksschule  an  einigen  Orten  angegliederte  und
in  verschiedene  geschlossene  Anstalten  eingeführte  Handarbeitsunterricht
  für  Knaben  reicht  in  seinen  Anfängen  bis  in  die  siebziger  Jahre
des  vorigen  Jahrhunderts  zurück.  Er  verdankt  seine  Entstehung  zum
Teil  Anregungen  aus  Dänemark  (Rittmeister  v.  Clauson-Kaas)  und
Schweden  (Besuch  der  Kommission  des  Preußischen  Kultusministeriums
  in  Gothenburg  und  Nääs  im  Jahre  1880.  Schwedischer  Slöjd).
Während  aber  ursprünglich  dieser  Unterrichtszweig  rein  wirtschaftlich
  praktische  Ziele  verfolgte  (Anfertigung  leicht  herzustellender
Gegenstände  der  Hausindustrie  und  Vorbereitung  der  Schüler  für  gewisse
  Handwerke),  so  wird  er  jetzt  lediglich  dem  Zwecke  der  Gesamterziehung
  des  Individuums  dienstbar  gemacht.  Der  Schüler  soll
durch  den  Handarbeitsunterricht  nicht  zu  einem  geschickten  Gewerbetreibenden
  oder  Handwerker,  sondern  zu  einem  tüchtigen  Menschen
erzogen  werden.  Die  Ausbildung  des  Auges  und  der  Hand  soll
in  letzter  Hinsicht  die  ethische  und  ästhetische  Erziehung  des  jungen
Menschen  vollenden  helfen.

Wenn  sich  auch  noch  in  einigen  Orten  Deutschlands  Zentren
des  gewerblichen  Handarbeitsunterrichts  vorfinden,  so  arbeiten  doch
97  Prozent  aller  Werkstätten  nach  den  Grundsätzen  des  erziehlichen
  Knaben-Handarbeitsunterrichts  und  verfolgen  rein  pädagogische
Zwecke.

Die  Einführung  und  Verbreitung  dieser  erziehlichen  Knabenhandarbeit
  in  Deutschland  ist  die  Hauptaufgabe  des  „Deutschen
Vereins  für  Knabenhandarbeit“.  Seine  Aufgaben  im  einzelnen  waren:
unausgesetzte  Verbreitung  der  Ideen  im  Volke  und  besonders  in  denjenigen
  Kreisen,  die  zu  ihrer  Verwirklichung  beitragen  konnten;  die
Bildung  von  Handfertigkeitsschulen;  die  Beschaffung  der  erforderlichen
Mittel;  die  Ausbildung  von  Lehrern,  sowie  die  Einführung  von  Lehrgängen
  und  Lehrmethoden  für  den  Unterricht.

Den  inneren  Entwickelungsgang  und  seine  Beziehungen  zur
Schule  kennzeichnet  der  Deutsche  Verein  in  den  „Grundzügen  des
erziehlichen  Handarbeitsunterrichts  für  Knaben“,  wie  sie  auf  dem
X.  Kongreß  1890  zu  Straßburg  zur  Annahme  gelangten  und  in  ihren
wesentlichen  Punkten  noch  heute  Gültigkeit  für  den  Verein  haben.
©  2  der  Grundzüge  lautet:

„Während  in  geschlossenen  Anstalten  der  Handarbeitsunterricht