30  Wohlfahrtseinrichtungen.

dem  Schulunterricht  angefügt  oder  auch  in  denselben  eingefügt
werden  sollte,  empfiehlt  es  sich,  denselben  in  den  Volksschulen  und
in  den  höheren  Lehranstalten,  besonders  aber  in  den  Lehrerbildungsanstalten
  da,  wo  die  Voraussetzungen  dazu  gegeben  sind,  als  wahılfreien
  Unterrichtsgegenstand  und  zur  Unterstützung  der  Anschaulichkeit
  in  anderen  Unterrichtszweigen,  wie  Geometrie,  Rechnen,  Zeichnen,
Physik,  Naturgeschichte  und  Geographie,  allmählich  einzuführen.

Der  Unterricht  soll  von  unserem  Vereine  auf  dem  Wege  der
Freiwilligkeit  auch  weiterhin  gepflegt  und  von  tüchtigen  Lehrern  in
Lehrgang  und  Lehrart,  die  sich  den  Grundsätzen  der  Erziehungslehre
anlehnen,  ausgebaut  werden,  bis  zahlreiche  Versuche  und  längere  Erfahrungen
  endgültig  entscheiden  können,  ob  dieser  Unterricht  sich
eigne,  als  ein  pflichtmäßiger  oder  freiwilliger  Unterrichtsgegenstand
in  die  Schule  allgemein  aufgenommen  zu  werden.  Wie  diese  Verbindung
  in  einer  späteren  Zeit  etwa  herzustellen  sei,  erscheint  daher
als  eine  Frage,  die  zurzeit  als  spruchreif  nicht  zu  erachten  ist.“  Der
um  die  Entwickelung  des  Knabenhandarbeitsunterrichts  in  Deutschland
  hochverdiente  Landtagsabgeordnete  E.  v.  Schenckendorff-Görlitz
ist  der  Vorsitzende  des  Vereins.  Der  Verein  hat  bisher  vier  Zweigvereine
  in  Sachsen,  Württemberg,  der  Provinz  Westfalen  und  in
Bayern  begründet;  die  Gesamtzahl  der  Mitglieder  beträgt  mehr  als
1600,  worunter  einige  Hundert  korporative  Mitglieder  sich  befinden.

Nach  den  augenblicklich  vorliegenden  Nachrichten  beträgt  die  Gesamtzahl
  aller  Schulen  und  Anstalten  Deutschlands,  die  gegenwärtig
Handfertigkeitsunterricht  betreiben,  947.  Hiervon  sind  28  abzurechnen,
die  den  erwähnten  hausindustrielen  und  gewerblichen  Zwecken
nachgehen.  919  Schulen  und  Anstalten  haben  sich  somit  der  pädagogischen
  Richtung  angeschlossen.

Die  stattlichste  Zahl  von  Körperschaften,  die  im  Dienste  der
Sache  stehen,  weist  wegen  seiner  Größe  Preußen  auf,  nämlich  615
in  485  Ortschaften,  während  in  allen  übrigen  deutschen  Staaten  insgesamt
  332  Schulen  und  Anstalten  an  198  Orten  Arbeitsunterricht
betreiben.  In  beiden  Gruppen  stehen  die  industriereichen  Bezirke
an  der  Spitze,  in  Preußen  Oberschlesien  und  die  Rheinprovinz,  im
übrigen  Deutschland  das  Königreich  Sachsen.  Während  von  den
vorwiegend  agrarischen  Landesteilen  die  Provinz  Schleswig-Holstein
mit  ihren  zahlreichen  Arbeitsstätten,  die  zum  größten  Teile  einfachen
Dorfschulen  angegliedert  sind,  in  bemerkenswerter  Weise  hervorragt,
  liegt  sonst  in  den  überwiegend  Ackerbau  treibenden  Bezirken
der  Arbeitsunterricht  teilweise  ganz  darnieder.  Die  wenigsten  Hand-