Wohlfahrtseinrichtungen  für  bedürftige  oder  leidende  Kinder.  39

und  eines  Mädchenkursus  steht  unmittelbar  bevor.  An  dem  ersteren
soll  ein  Franzose,  an  dem  anderen  eine  Französin  unterrichten.  Von
den  bereits  eröffneten  Knabenkursen  ist  einer  versuchsweise  der
Berlitz-School,  Tauenzienstrasse  24,  übertragen.  Im  übrigen  findet
der  Unterricht  in  drei  städtischen  Gemeindeschulhäusern  statt,  von
denen  je  eines  im  Westen,  im  Zentrum  und  im  Osten  der  Stadt  belegen
  ist.

Zur  Teilnahme  an  dem  Unterricht  sind  immer  drei  bis  fünf  der
besten  Kinder  der  zweiten  und  dritten  Klassen  zugelassen  worden.

Die  technische  Leitung  der  Kurse  ist  einem  Oberlehrer  der
städtischen  Oberrealschule  übertragen  worden,

2.  Wohlfahrtseinrichtungen  für  bedürftige  oder  leidende  Kinder.

Den  verschiedenartigen  Veranstaltungen  von  Sonderunterricht
für  Volksschulkinder  gliedern  sich  jene  Wohlfahrtseinrichtungen  an,
welche  gerade  den  ärmsten  und  bedürftigsten  Kindern  hilfreiche
Liebe  zuteil  werden  lassen.  Unter  diesen  Werken  der  Barmherzigkeit
nehmen  die  Kinderhorte  und  Ferienkolonien  die  erste  Stelle  ein.

A.  Kinderhorte.  Obwohl  es  in  Deutschland  einige  ältere  sogenannte
  Kinderbeschäftigungsanstalten  schon  in  früheren  Zeiten  gab,
so  ist  die  Bewegung  für  Kinderhorte  doch  erst  in  den  letzten  fünfundzwanzig
  Jahren  in  Fluß  gekommen,  nachdem  Professor  Schmidt-Schwarzenburg
  in  Erlangen  in  der  von  ihm  gegründeten  Anstalt
„Sonnenblume“  den  Versuch  gemacht  hatte,  die  schulfreien  Kinder  um
sich  zu  sammeln,  sie  durch  geordnete  Tätigkeit  vom  Müßiggange
abzuhalten  und  auf  sie  einen  erziehlichen  Einfluß  zu  üben.  Nach
diesem  Vorbilde  wurden  in  Bayern,  zunächst  in  Augsburg,  darauf
in  München,  Knabenhorte  gegründet.  Die  Bewegung  hat  sich  dann
derartig  weiter  ausgebreitet,  daß  heute  in  etwa  S0—60  Städten  Horte
bestehen,  je  nach  der  Größe  der  Städte  einer  oder  mehrere.

Die  Horte  verfolgen  den  Zweck,  die  Kinder  der  ärmeren  Volksklassen
  im  schulpflichtigen  Alter,  die  von  ihren  Eltern  in  der  schulfreien
  Zeit  nicht  beaufsichtigt  werden  können  und  daher  der  Verführung
  und  Verwahrlosung  am  meisten  ausgesetzt  sind,  der  Straße
zu  entziehen  und  sie  unter  pädagogischer  Aufsicht  zu  nützlicher  Beschäftigung
  anzuhalten,  oder,  wie  der  Stuttgarter  Verein  der  Knabenhorte
  sich  ausdrückt,  „ihnen  eine  Stätte  zu  bauen,  wo  sie  unter
freundlicher  Aufsicht  der  Lehrer  ihre  Schularbeiten  machen  und  sich
nachher  durch  Spiel,  Gesang  oder  Lesen  unterhalten“.  —  Die  Dauer