44  Wohlfahrtseinrichtungen.

Die  vorstehend  wiedergegebene  Übersicht  und  selbst  die  Angaben
  Reddersens  ließen  sich  ohne  Zweifel  noch  erheblich  ergänzen,
wenn  es  gelänge,  das  gesamte  auf  dieses  Gebiet  der  Wohltätigkeit
bezügliche  Material  zusammenzubringen,  oder  wenn  den  Leitern  und
Gönnern  der  Kinderhorte  durch  regelmäßig  wiederkehrende  Kongresse
ein  Mittelpunkt  für  Anregung,  Belehrung  und  persönliche  Bekanntschaft
  geschaffen  würde.  So  besitzt  z.  B.  Schleswig-Holstein  auch  in
vıelen  kleineren  Orten  Kinderhorte,  und  in  keinem  der  beiden  \Verzeichnisse
  sind  die  Städte  Barmen,  Bielefeld,  Düsseldorf,  Elberfeld,
Freiberg  i.  Sachsen  und  Karlsruhe  erwähnt.  Gerade  in  Freiberg  ist
die  Art,  in  welcher  die  Knaben  beschäftigt  werden,  eigenartig;  ein
dem  Verfasser  zur  Verfügung  gestellter  Spezialbericht  äußert  sich
darüber  folgendermaßen:

„Hier  werden  die  Knaben  unter  Aufsicht  eines  Hausvaters
zunächst  angehalten,  ihre  Schularbeiten  zu  fertigen.  Sodann  beschäftigen
  sie  sich  täglich  2—3  Stunden  mit  leichter  Handarbeit  (Dütenkleben,
  Zinnschneiden,  Bürsteneinziehen,  Kaffeeauslesen).  Der  hierdurch
  erzielte  Verdienst  wird  je  nach  Leistung  den  einzelnen  Kindern
gutgeschrieben  und  in  ein  Sparkassenbuch  eingezahlt.  Die  Rückzahlung
  erfolgt  beim  Austritt  aus  der  Schule  bezw.  der  Anstalt
(ein  Knabe  erhielt  z.  B.  Ostern  a.  c.  62,40  M.  ausbezahlt).  Auch
werden  die  Knaben  vom  Hausvater  in  Papp-  und  Holzarbeiten
unterwiesen.

Dabei  bleibt  noch  genügend  Zeit  zu  Spiel  und  Gesang,  zur
Gartenarbeit  und  zu  gemeinsamen  Spaziergängen  in  Feld  und  Wald.
Auch  werden  die  Knaben  angehalten,  wöchentlich  ein-  oder  zweimal
das  Volksbad  zu  benutzen.

Der  bis  jetzt  an  den  Zöglingen  beobachtete  erziehliche  F.influis
des  Knabenhortes  ist  recht  befriedigend.“

Auch  in  Barmen  werden  die  älteren  Knaben  mit  eigentlichen
scwerblichen  Arbeiten,  wie  ÄAnfertigen  und  Flicken  von  Schuhwerk,
die  Mädchen  mit  Waschen,  Bügeln,  Kochen  und  anderen  häuslichen
Verrichtungen  beschäftigt,  und  ebenso  besteht  hier  auch  eine  Sparkasse
  (Pfennigsparkasse)  für  die  Konfirmation.

B.  Ferienkolonien,  Kinderheilstätten  u.  dergl.  Die  im
folgenden  Abschnitt  geschilderten  Veranstaltungen  haben  den  Zweck,
kränklichen  oder  in  der  Entwicklung  zurückgebliebenen  Kindern
hauptsächlich  im  Sommer  und  besonders  während  der  Schulferien
Gelegenheit  zur  Genesung  und  körperlichen  Kräftigung  zu  bieten.