Wohlfahrtseinrichtungen  für  bedürftige  oder  leidende  Kinder.  45

Die  zu  diesem  Zwecke  getroffenen  Einrichtungen  sind  meistens  durch
private  Wohltätigkeit  (Vereine)  ins  Leben  gerufen  worden,  werden
aber  jetzt  fast  überall  aus  Gemeindemitteln  unterstützt.

Die  Hauptarten  dieser  Wohlfahrtseinrichtungen  sind  kurz  und
treffend  in  dem  Artikel  „Ferienkolonien“  von  H.  Grosse  in  Reins
Encyklopädie  Bd.  II  S.  226  charakterisiert.  Es  heißt  da:  „Hinsichtlich
der  Art  und  Weise  der  Ferienversorgung  armer,  kränklicher  Schulkinder
  haben  sich  durch  die  Praxis  drei  Kategorien  herausgebildet.
Solche  Kinder,  bei  denen  bestimmte  Formen  der  Krankheit  (besonders
  Skrofulose)  schon  so  weit  vorgeschritten  sind,  daß  eine  ärztliche
  Behandlung  und  Pflege  angezeigt  erscheint,  bringt  man  in  Kinderheilstätten
  der  Sol-  oder  Seebäder  unter.  Minder  kränkliche  Kinder,
welche  teils  durch  ungenügende  Ernährung,  mangelhafte  Wohnungsverhältnisse,
  teils  durch  schwere  Krankheiten  so  geschwächt  sind,  dafs
ein  vollständiges  Herausreißen  aus  diesen  Lebensverhältnissen  auf
einige  Zeit  ihnen  von  größtem  Nutzen  sein,  besonders  ihre  Widerstandsfähigkeit
  erhöhen  kann,  bilden  das  Material  für  die  eigentlichen
Ferienkolonien.  Solche  Kinder,  bei  denen  jene  Zustände  sich  noch
in  den  Anfangsstadien  befinden,  denen  aber  durch  eine  Milchkur  von
einigen  Wochen,  durch  tägliches  Hinausführen  in  frische  Luft,  Spielen,
Baden  usw.  noch  wesentlich  geholfen  werden  kann,  werden  in  sogenannten
  Halb-  oder  Stadtkolonien  oder  Milchstationen  während  der
Sommer-  und  Herbstferien  verpflegt.“

Die  Entstehung  dieser  Veranstaltungen  in  Deutschland  reicht
bis  in  die  Mitte  des  19.  Jahrhunderts  zurück.  Die  erste  Kinderheilstätte
  in  Deutschland  begründet  zu  haben,  ist  das  Verdienst  des
praktischen  Arztes  Dr.  A.  H.  Werner  in  Ludwigsburg,  dem  es,  nachdem
  er  lange  im  kleinen  gewirkt  hatte,  im  Jahre  1861  gelang,  im
Solbade  Jagstfelde  in  Württemberg  ein  eigenes  Haus  für  kränkliche
Kinder  zu  erbauen.  Dieser  Vorgang  fand  bald  Nachahmung,  es
bildeten  sich  zahlreiche  Vereine,  und  es  entstanden  auch  in  anderen
Solbädern  Kinderheilstätten,  deren  Zahl  sich  im  Jahre  1901  auf  31
vermehrt  hatte.  Die  Namen  derselben  mögen  hier  nach  dem  letzten
vom  Stadtrat  Selberg  in  Berlin  erstatteten  Berichte  über  die  Ergebnisse
  der  Sommerpflege  in  Deutschland  im  Jahre  1901  (Zentralstelle
  der  Vereinigungen  für  Sommerpflege)  folgen:  Alstaden,  Colberg,
Dürkheim,  Dürrheim,  Elmen,  Elmen-Salze,  Frankenhausen  i.  Th.,
Goczalkowitz  bei  Pleß,  Halle,  Harzburg,  Jagstfeld,  Inowrazlaw,
Kissingen,  Königsborn,  Königsdorf-Jastrzemb,  Kösen,  Kreuznach,
Lüneburg,  Nauheim,  Nieder-Neukirch,  Oldesloe,  Orb,  Rappenau,