46  Wohlfahrtseinrichtungen.

Rothenfelde,  Salzdetfurth,  Salzuflen,  Sassendorf,  Schwäbisch  -  Hall,
Sooden  a.  W.,  Suülze,  Sulza.

Auch  an  den  Seeküsten  Deutschlands  wurden  nicht  lange
nachher,  im  Jahre  1876,  auf  Anregung  des  verdienstvollen  Geheimrats
Benecke  in  Marburg  Heilstätten,  besonders  für  skrofulöse  Kinder,
eingerichtet,  und  der  „Verein  für  Kinderheilstätten  an  den  deutschen
Seeküsten‘“,  gegründet  1881,  unter  dem  Protektorate  des  damaligen
Kronprinzen  und  der  Frau  Kronprinzessin  von  Preußen  (Kaiser  und
Kaiserin  Friedrich)  erblickte  seine  Hauptaufgabe  darin,  die  Einrichtung
solcher  Seehospize  für  Kinder  immer  weiter  auszubauen.  Gegenwärtig
bestehen  nach  dem  oben  angeführten  Bericht  von  191  16  Kinderheilstätten
  an  der  See  in  folgenden  Orten:  Berg-Dievenow,  Colberg,
Colberger  Deep,  Duhnen,  Gr.-Müritz,  Heringsdorf,  Norderney,  Olgaheim,
  Rügenwaldermünde,  Travemünde,  Wangeroog,  Westerland-Sylt,
Wyk,  Zoppot.  Unter  diesen  sind  die  Hospize  in  Gr.-Müritz,  Norderney
(Seehospiz  „Kaiserin  Friedrich“),  in  Wyk  auf  Föhr  und  in  Zoppot
Anstalten  des  Vereins  für  Kinderheilstätten  an  den  deutschen  Seeküsten.


Die  eigentlichen  Ferienkolonien  (Ferienaufenthalt  erholungsbedürftiger
  Kinder  auf  dem  Lande)  verdanken  ihre  Entstehung  dem
Schweizer  Pfarrer  Bion,  welcher  zuerst  im  Jahre  1878  eine  Anzahl
von  armen  Züricher  Kindern  aus  ihren  ärmlichen  und  ungesunden
Wohnungen  in  die  herrliche  Wald-  und  Bergesluft  des  Appenzeller
Landes  hinausführte.  Die  Erfolge  waren  vortrefflich,  und  so  schloß
sich  zunächst  Frankfurt  a.  M.  auf  Betreiben  des  Sanitätsrats
Dr.  Varrentrapp  dem  Vorgange  Bions  an  und  entsandte  im  Jahre  1878
97  schwächlichke  Knaben  im  Alter  von  9—14  Jahren  als  Ferienkolonisten
  in  den  Vogelsberg  und  in  den  Odenwald.  Auch  die
Frankfurter  Ferienkolonie  bewährte  sich  aufs  beste,  und  bald  fand
dieses  Vorgehen  in  anderen  Städten  Nachahmung.  Schon  1881  hatten
sich  30  deutsche  Städte  bereit  gefunden,  im  ganzen  3070  Kinder  in
Sommerfrischen  zu  entsenden.  Die  Gründung  einer  Zentralstelle  der
Vereinigungen  für  Sommerpflege  in  Deutschland  im  Jahre  1885  war
ein  wichtiger  Schritt  vorwärts  auf  der  einmal  eingeschlagenen  Bahn,
und  die  bereitwillige  Förderung,  welche  die  Ferienkolonien  in  allen
Teilen  unseres  Vaterlandes  gefunden  haben,  ist  der  beste  Beweis  dafür,
  daf3  die  geschaffene  Einrichtung  einem  tief  empfundenen  sozialen
Bedürfnisse  entsprach.

Die  Auswahl  der  Kinder  erfolgt  auf  Grund  der  seitens  der
Lehrer  oder  der  Familien  selbst  cingehenden  Anmeldungen  nach