50  Wohlfahrtseinrichtungen.

Jubel  führen  sie  die  Kühe  zur  Tränke,  treiben  sie  die  Gänse  auf  den
Anger,  fahren  sie  mit  dem  Wirte  zur  Wiese,  um  das  Heu  in  die
Scheune  heimzufahren.  Und  endlich,  was  für  die  hungrige  Kinderschar
  die  Hauptsache  ist,  an  der  Mittagstafel  warten  ihrer  lukullische
Genüsse.  Vogtländische  Klöße  mit  Schweinebraten,  Kartoffelmus  mit
Hackebraten,  Nudeln  mit  Rindfleisch,  Erbsen  mit  Bratwurst  sind  ihre
Lieblingsgerichte,  und  auch  ein  Eierkuchen  wird  von  ihnen  nicht  verachtet.
  Und  wenn  nun  gar  am  Sonntage  zum  Kaffee  der  vielbesprochene
  Heidelbeer-  und  Streuselkuchen,  in  Bergen  aufgetürmt,  den
Tisch  bedeckt,  dann  will  das  Jubilieren  der  Jungen  kein  Ende  nehmen.
Was  Wunder,  daß  sich  die  schwachen  Körper  der  Kinder  sichtlich
erholen,  ihre  bleichen  Wangen  sich  röten  und  bräunen,  ihre  Augen
jetzt  heller  erglänzen.  Ein  Junge  schrieb  heute  nach  Hause:  „Liebe
Eltern!  Ihr  werdet  mich  bei  der  Heimkehr  wohl  kaum  wieder  erkennen,
  so  dick  bin  ich  schon  geworden.“  Nun  so  laßt  euch’s,  ihr
Jungen,  auch  weiter  recht  wohl  schmecken,  damit  ihr  dick  und  gesund
heimkehrt  ins  Vaterhaus!  Über  die  sittliche  Führung  der  Knaben
habe  ich  nicht  im  mindesten  zu  klagen;  alle  sind  folgsam  und  willig,
voll  dankbarer  Freude.‘*)

Neben  den  Vollkolonien,  welche  die  Kinder  während  des  ganzen
Tages  aufnehmen,  sind  hier  noch  die  Halbkolonien  zu  nennen,  in
welchen  im  Jahre  1901  beinahe  der  dritte  Teil  aller  Ferienkolonisten
untergebracht  war.  Sie  haben  die  Aufgabe,  solchen  erholungsbedürftigen
  Kindern,  welche  aus  irgend  einem  Grunde  von  dem  Landaufenthalte
  in  den  Ferien  ausgeschlossen  bleiben  müssen,  Gelegenheit
zu  geben,  wenigstens  einen  Teil  des  Tages  in  frischer  Luft  zu  verbringen.
  Die  Kinder  werden  gewöhnlich  in  ein  der  Stadt  naheliegendes
  Dorf  oder  in  einen  ländlichen  Vorort  geführt  und  bringen
die  Zeit  mit  Spiel  oder  Wanderungen  in  Wald  und  Feld  hin.  Sie
erhalten  gewöhnlich  ein  Vesperbrot  aus  guter  Milch,  Brot  und  Butter.
bisweilen  auch  noch  ein  Abendessen.  Auch  diese  Einrichtung  hat
sich  im  Laufe  der  beiden  letzten  Jahrzehnte  als  sehr  segensreich
bewährt.

Über  den  Umfang,  welchen  die  Einrichtung  der  Ferienpflege  in
Deutschland  gewonnen  hat,  möge  die  folgende  Tabelle  Auskunft
scben.

Im  Vergleich  zum  Jahre  IWW  stellen  sich  die  einzelnen  Verpflegungsformen
  wie  folgt  dar:

*)  Bericht  des  Vereins  für  Ferienkolonien  zu  Leipzig,  erstattet  für  1902.  (S.  12  u.  13.)