Wohlfahrtseinrichtungen  für  bedürftige  oder  leidende  Kinder.  53

währen.  Im  Jahre  1902/03  sind  für  diesen  Zweck  13  088,42  M.  verausgabt
  worden,  zu  welcher  Summe  der  Magistrat  von  Berlin  3000  M.
beigesteuert  hatte.  Außerdem  wurden  noch  981  M.  aus  einer  Stiftung,
dem  Rudolf-Fonds,  für  diesen  Zweck  verwendet,  sodaß  für  Berlin  im
ganzen  14  290,39  M.  für  die  Gewährung  von  Frühstück  an  arme
Schulkinder  verausgabt  wurden.  Die  Kinder  erhielten  hierfür  in  den
meisten  Fällen  ein  Weißbrot  (Schrippe)  oder  eine  „Schmalzstulle‘“,
in  einigen  Fällen  wohl  auch  ein  Glas  warme  Milch.  In  Hannover
spenden  die  Freimaurerlogen  Brot  und  warme  Milch  zum  Frühstück
für  die  Schulkinder.  Eine  jährlich  wiederkehrende  Haussammlung
und  freiwillige  Gaben  ergänzen  ihre  Aufwendungen.  Auch  die  Stadtverwaltung
  leistet  einen  jährlichen  Beitrag  von  500  M.  Im  Winter
1%1/02  wurde  das  Milchfrühstück  in  19  Bürgerschulen  an  etwa
1000  Kinder  verteilt,  und  es  sind  dafür  nahezu  6000  M.  ausgegeben
worden.

Der  Frühstücksspeisung  reiht  sich  an  vielen  Orten  die  unentgeltliche
  Gewährung  warmen  Mittagessens  an.  Auch  diese  Veranstaltung
ist  gewöhnlich  Sache  wohltätigrer  Vereine;  noch  seltener  und  in  geringerem
  Maße  als  die  Frühstücksverteilung  wird  die  Gewährung  unentgeltlicher
  Mahlzeiten  an  Schulkinder  von  den  städtischen  Gemeinden
  in  die  Hand  genommen.  Das  übliche  Verfahren  ist  die
Einrichtung  einer  Schulküche  und  eines  Speisesaals  entweder  im
Schulhause  oder  in  anderen  Lokalitäten.  In  selteneren  Fällen,  beispielsweise
  in  Karlsruhe,  hat  man  sich  daneben  auch  bemüht,  wohltätige
  Personen  zu  gewinnen,  die  sich  bereit  erklären,  dem  einen  oder
anderen  besonders  bedürftigen  Kinde  wöchentlich  ein-  oder  zweimal
ein  Mittagessen  zu  gewähren.  Die  Zahl  der  Familien,  die  sich  hierzu
bereit  finden  ließen,  belief  sich  in  Karlsruhe  um  die  Mitte  der  neunziger
Jahre  (neuere  Berichte  liegen  dem  Verfasser  nicht  vor)  auf  ca.  500.
In  Dresden  gewährt  der  unter  dem  Protektorate  Ihrer  Königlichen
Hoheit  der  Frau  Prinzessin  Johann  Georg  stehende  „Verein  zur
Speisung  bedürftiger  Schulkinder‘  jährlich  einer  größeren  Anzahl  von
Kindern  eine  ausreichende  warme  Mahlzeite.  Der  Vereinsbericht
11/02  sagt  darüber:

„Jedem  Kinde  wird  einc  gut  zubereitete  und  zur  Sättigung  ausreichende
  Portion  Gemüse  mit  Fleisch  verabfolgt.  Wir  wollen  damit
den  bedauernswerten  Kindern,  welche  eine  warme  und  kräftige
Mittagskost  vielfach  völlig  entbehren  müssen,  ja  oft  einer
solchen  kaum  jemals  teilhaftig  geworden  sind,  regelmäßig  und  während
  der  ganzen  Dauer  der  kalten  Jahreszeit  —  nicht  nur  hin  und