70  Wohlfahrtseinrichtungen.

beschaffenheit.  Gehörsstörungen  fanden  sich  bei  1306  =  15,2°/,  aller
Kinder.  Bürger-  und  Bezirksschulen  zeigten  hierbei  einen  auffälligen
Unterschied.  An  den  ersteren  hatten  8,8°/,,  an  den  letzteren  17,5%,
aller  Kinder  kranke  Ohren.  Hier  tritt  der  Einfluß  der  sozialen  Lage
insofern  hervor,  als  Ohrenleiden  vielfach  eine  '  Teilerscheinung  der
Skrofulose,  der  Krankheit  schlecht  gepflegter  und  schwächlicher
Kinder,  sind.  Die  Zahnverhältnisse  waren  sehr  schlechte:  5026  =
55,7",  aller  Kinder  besaßen  ein  krankes  Gebiß.  Es  hängt  dies  wonl
mit  dem  in  diesem  Lebensalter  beginnenden  Zahnwechsel  zusammen.
Bürger-  und  Bezirksschulen  zeigten  keine  wesentlichen  Unterschiede.
Krankhafte  Wucherungen  im  Nasenrachenraum  hatten  2099  =  23,2%,
aller  Kinder.  Außerdem  wurden  Herzfehler  bei  166  (=  1,8";,),
Rückgratsverkrümmungen  bei  128  (=  1,4°/,),  Parasiten  und  Hautkrankheiten
  bei  515  (=  5,7°/,)  und  verschiedene  andere  Krankheitserscheinungen
  bei  89%  (=  9,9°%/,)  Kindern  gefunden.

Diese  kränklichen  Kinder  verteilen  sich  gleichmäßig  auf  beide
Geschlechter  wie  auf  die  Bürger-  und  Bezirksschulen.  Zeigten  sich
für  die  erstere  Schulgattung  in  mancher  Beziehung  bessere  gesundheitliche
  Verhältnisse,  so  wurden  diese  Vorzüge  durch  Störungen  auf
anderen  Gebieten  wieder  aufgehoben.

Bei  der  Neuheit  der  ganzen  Einrichtung  ist  eine  einheitliche
Auffassung  über  das  zu  beachtende  Verfahren  und  demgemäß  auch
ein  übereinstimmendcs  Resultat  noch  nicht  erzielt  worden.  Eine
Gesamtorganisation  aller  deutschen  Schulärzte  würde  auf  diesem
Gebiete  nicht  nur  praktische,  sondern  auch  wichtige  wissenschaftlichtheoretische
  Erfolge  erzielen  können.  Der  Orientierung  über  dieses
Gebiet  dient  besonders  die  „Zeitschrift  für  Schulgesundheitspflege“,
begründet  von  Dr.  Kotelmann,  herausgegeben  von  Prof.  Dr.  Erismann-Zürich
  (Verlag  von  Voss  in  Hamburg).

Wie  das  bei  der  zunehmenden  Spezialisierung  und  Differenzierung
der  ärztlichen  Wissenschaft  nicht  zu  verwundern  ist,  macht  sich  in
vielen  Gemeinden  das  Bedürfnis  geltend,  sich  auch  für  die  schulärztliche
  Tätigkeit  der  Beihilfe  von  Spezialärzten  zu  versichern,  und
so  werden  denn  auch  für  den  Zweck  der  schulärztlichen  Überwachung
der  Kinder  gern  solche  Ärzte  gewählt,  welche  sich  mit  den  Sondergebieten
  der  Kinderkrankheiten,  der  Augen-,  Ohren-  und  Nervenleiden,
  mit  der  Zahnheilkunde  und  Psychiatrie  eingehender  beschäftigt
haben.  Besonders  erfordert  die  Untersuchung  schwachsinniger  Kinder
behufs  Aufnahme  in  die  Hilfsschulen  spezielle  Vorkenntnisse  und  Erfahrungen
  in  der  Behandlung  von  geistigen  Störungen  und  ihrem