Hivgienische  Wohlfahrtseinrichtungen.  71

Zusammenhange  mit  körperlichen  Anomalien,  und  da  gerade  die
seringen  Grade  von  geistiger  Schwäche  (Imbezillität)  bisher  nur  in
seltenen  Fällen  der  ärztlichen  Behandlung  übergeben  wurden,  so  bietet
die  Prüfung  und  Beobachtung  der  Hilfsschulkinder  für  die  Schulärzte
ein  neues  und  interessantes  Forschungsgebiet.  Eingehende  Untersuchungen
  über  den  gesamten  Körper-  und  Geisteszustand  dieser
geistig  Schwachen  sind  bereits  mehrfach  von  Schulärzten  veröffentlicht
worden;  ich  erinnere  hier  nur  an  die  wertvollen  Arbciten  von
Laquer  „Die  Hilfsschulen  für  schwachbefähigte  Kinder,  ihre  ärztliche
  und  soziale  Bedeutung‘  1901  (Hilfsschule  in  Frankfurt  a.  M.)
und  „Über  schwachsinnige  Schulkinder“  192;  Cassel  „Was  lehrt
die  Untersuchung  der  geistig  minderwertigen  Kinder  im  IX.  Berliner
Schulkreise“  1901;  Doll  „Ärztliche  Untersuchungen  aus  der  Hilfsschule
  für  schwachsinnige  Kinder  zu  Karlsruhe“  1902  u.  a.

Die  Schulzahnklinik  in  Straßburg.  Wenn  auch  Schulkinder
wie  andere  weniger  bemittelte  Personen  unter  Umständen  überall  in
deutschen  Städten  unentgeltliche  Behandlung  durch  Spezialärzte  in
den  privaten  und  öffentlichen  Polikliniken  erhalten  können,  so  sind
diese  Anstalten  doch  bisher  nirgends  in  engen  unmittelbaren  Zusammenhang
  zu  der  Volksschule  getreten.  In  Straßburg  hat  sich
dieser  Übergang  im  Laufe  der  80er  und  %er  Jahre  des  vorigen
Jahrhunderts  allmählich  vollzogen  und  ist  jetzt  zur  Tatsache  geworden.
Am  15.  Oktober  1902  wurde  dort  die  erste  städtische  Schulzahnklinik
in  Deutschland  eröffnet.  Schon  seit  1885  waren  unter  Leitung  des
Privat-Dozenten  für  Zahnheilkunde  an  der  Kaiser  Wilhelms-Universität
Dr.  Ernst  Jessen  arme  Volksschulkinder  und  Soldaten  unentgeltlich
behandelt  worden;  eine  regelmäßige  Untersuchung  der  Volksschulkinder
  wurde  im  Jahre  1897  eingeführt.  Sie  vollzog  sich,  indem  die
Kinder  klassenweise  von  ihren  l.chrern  in  die  Universitäts-Poliklinik
geführt  wurden.  Da  indessen  die  Räume  hierzu  auf  die  Dauer  nicht
ausreichten,  wurde  nach  einem  kurzen,  ergebnislosen  Versuch,  die
Kinder  in  der  Schule  selbst  durch  einen  Studenten  der  Medizin  untersuchen
  zu  lassen,  dank  dem  freundlichen  Entgegenkommen  des  Bürgermeisters
  der  Stadt  Straßburg  Back  und  des  Gemeinderates  mit  Bewilligung
  der  Universitätsbehörden  zur  Einrichtung  einer  städtischen
Schulzahnklinik  geschritten.  Die  Räume  wurden  von  der  Universität
zur  Verfügung  gestellt,  während  die  Kosten  der  baulichen  Veränderungen
  von  der  Stadt  bestritten  wurden.  Zur  Unterstützung  des
Dr.  Jessen  wurde  cin  approbierter  Zahnarzt  mit  einem  Jahresgehalt  von
2000  M.  als  Assistent  angestellt.  Die  Untersuchung  und  konservative