4  Wohlfahrtseinrichtungen.

gestellt  oder  bis  20  cm  tiefe  Mulden  mit  verschließbarem  Abfluss  angebracht
  sind.  In  diese  Wannen  oder  Mulden  treten  nun  mehrere
Kinder,  waschen  sich  unter  Benutzung  von  Seife  und  werden  dann
von  dem  lauwarmen  Wasser  der  Brausen  abgespült.  Über  die  Vorzuge
  und  Mängel  der  bisher  in  Deutschland  im  Gebrauch  befindlichen
Systeme  von  Brausebadanlagen  sowie  ihre  technische  Einrichtung  im
einzelnen  findet  man  in  den  umfangreicheren  Werken  über  Schulhygiene
  die  nötige  Auskunft,  hier  möge  es  genügen,  auf  den  Badebetrieb
  selbst  einen  Blick  zu  werfen.  Wir  lassen  eine  kurze  Darstellung
  folgen,  welche  wir  einem  in  Januar  1896  dem  Magistrat  von
Magdeburg  erstatteten  Bericht  des  Rektors  Pohlenz  daselbst  entnehmen:


„In  der  Ill.  Volksknabenschule  sind  vier  große,  runde  Zinkwannen
  mit  je  einer  darüber  angebrachten  Brause  vorhanden.

Beim  jedesmaligen  Baden  treten  16  Schüler  an  (auf  der
Mittelstufe  nur  12  und  auf  der  Oberstufe  8)  und  gehen  leise
hinab  zu  der  im  Kellerraum  befindlichen  Badeeinrichtung.  Dort  entkleiden
  sich  die  Kinder  in  einem  besonderen  Raume,  der  neben  der
Badestube  liegt,  und  hängen  ihre  Kleider  auf  oder  legen  sie  auf
längs  den  Wänden  unterhalb  der  Kleiderhaken  aufgestellte  Bänke.
Die  nur  mit  einer  Badehose  bekleideten  Knaben  treten  zu  zweien  an
die  zum  Baderaum  führende  Tür  und  begeben  sich  erst  auf  das  Geheiß
  des  Schuldieners,  der  die  Aufsicht  führt,  in  die  gefüllten
Wannen,  und  zwar  verteilt  zu  vier  bei  den  Kleinen,  drei  auf  der
Mittelstufe  und  je  zwei  der  größeren  für  jede  Wanne.  Nach  kurzer
Frist  kommandiert  der  Kastellan:  Auf!  oder  Aufstehen!  wobei  die
Kinder  gleichzeitig  mit  der  Ausführung  die  Arme  aufwärts  zur
Brause  strecken.  Die  Brausen  werden  nur  eine  Minute  lang  geöffnet
bei  einer  Temperatur  des  Wassers  von  ca.  25°  R.  Nach  Beendigung
des  Brausens  legen  sich  die  Kinder  noch  etwa  5  Minuten  nieder,
seifen  sich  ab  und  tummeln  sich  vergnügt  im  Wasser.  Zum  Schlusse
erfolgt  ein  kurzes  Abbrausen  mit  Wasser  von  20°  R.  Wärme,  und
die  Schüler  gehen  zurück  in  den  Ankleideraum,  der  natürlich  im
Winter  auch  geheizt  sein  muß.  In  der  kälteren  Jahreszeit  bleiben
die  Knaben  in  der  Klasse,  wenn  unmittelbar  nach  Beendigung  des
Badens  eine  Pause  folgt,  in  der  die  anderen  Schüler  auf  den  Hof
schen.

Es  ist  selbstredend,  daß  auch  die  I.ehrer  der  badenden  Klasse,
soweit  cs  ihnen  möglich  ist,  sich  um  das  Baden  kümmern.  Ganz  besonders
  aber  ist  ihr  Augenmerk  darauf  gerichtet,  daß  Jdie  Teilnahme