Hygienische  Wohlfahrtseinrichtungen.  77

Die  Beteiligung  der  Schulkinder  an  den  Bädern  ist  zwar  überall
unentgeltlich,  aber  freiwillig,  daher  schwankt  der  Prozentsatz  der
tatsächlich  Badenden  und  richtet  sich  nach  mancherlei  vorübergehenden
  Umständen.  Im  allgemeinen  baden  überall  die  Knaben
mehr  als  die  Mädchen  und  die  älteren  Schüler  und  Schülerinnen
mehr  als  die  Kleinen,  in  manchen  Orten  wie  in  Wiesbaden  und
Hamburg  beteiligen  sich  die  untersten  Klassen  überhaupt  nicht  am
Baden,  in  Berlin  werden  nur  Kinder  zugelassen,  welche  das  achte
L.ebensjahr  vollendet  haben.

Auf  die  vielen  vortrefllich  eingerichteten  und  verwalteten  Schulbrausebäder
  in  anderen  deutschen  Städten  kann  hier  nicht  näher  cingegangen
  werden,  doch  mögen  die  Anlagen  in  Hannover,  Frankfurt
  a.  M.  und  Halle  a.  S.,  welche  Verfasser  durch  eigene  Anschauung
  kennen  zu  lernen  Gelegenheit  hatte,  hier  rühmende  Erwähnung
  finden.

Auch  in  Berlin  werden  seit  etwa  7  Jahren  in  allen  Neubauten
für  Volksschulen  Badeeinrichtungen  angelegt;  die  Kosten  für  die  den
Schulkindern  gewährten  Brausebäder  wurden  im  Verwaltungsjahr  1902
auf  30  411,30  M.  berechnet.

Als  ein  nicht  völlig  ausreichender  Ersatz  für  die  der  Schule
angegliederten  Badeeinrichtungen  muß  die  unentgeltliche  Ausgabe
von  Badekarten  an  Volksschulkinder  zur.  Benutzung  der  öffentlichen
Wannen-,  Brause-  oder  Schwimmbäder  angesehen  werden,  wie  sie  in
Dresden  und  aushilfsweise  in  mehreren  anderen  Städten  üblich  ist.
In  den  öffentlichen  Badeanstalten  fehlt  es  den  Kindern  oft  an  der
nötigen  Aufsicht,  auch  geht  ihnen  viel  von  der  Freude  verloren,
die  aus  dem  Zusammenbaden  mit  gleichaltrigen  Kameraden  entspringt.

In  Dresden  wurden  im  Jahre  1903  zum  Ankaufe  von  Freikarten
für  warme  Bäder  für  ärmere  Kinder  der  Bezirksschulen  und  für  Erteilung
  von  Schwimmunterricht  an  Bezirksschüler  zusammen  1500  M.
im  Etat  in  Ansatz  gebracht.

In  Freiberg  i.  S.  ist  den  Kindern  der  Volksschule  die  unentgeltliche
  Benutzung  des  städtischen  Volksbades  im  Winter  und  des
Schülerfreibades  im  Sommer  gestattet.  Die  der  Stadt  daraus
erwachsenden  Kosten  beliefen  sich  nach  dem  Verwaltungsbericht
von  1899/00  (ein  neuerer  liegt  dem  Verfasser  nicht  vor)  auf  611,04  M.
für  das  Schülerfreibad  und  2098,24  M.  für  das  Volksbad.  Die  Beteiligung
  der  Schuljugend  im  Sommer  190  im  Freibade  betrug  im
Durchschnitt  täglich  85  Knaben  und  22  Mädchen.  Im  Volksbad
badeten  im  Jahre  1900  in  der  Badezeit  vom  2.  Januar  bis  31.  Mai